Punkrock und Drogenlyrik

Leipziger Buchmesse 2013, einige Stücke Erinnerung, am Stück, verfasst auf der Heimreise:

Ich residiere in einer Holzhütte auf dem Campingplatz, die Stadt ist überwohnt. Als wir die Party der jungen Verlage betreten, merkt Andy Strauß an, dass er seinen Geldbeutel vergessen hat. Ich zahle. Oft. Einer an der Bar erzählt, dass er seinen zweiten Lyrikband veröffentlicht hat und ich tue so beeindruckt, wie er es erwartet. Ein reifer Mann steht an der Programmanzeigetafel und lacht los. Ich frage ihn warum. Er sagt, wegen dem Buchtitel. Ich sage ihm nicht, dass es meiner ist. Ich signiere 30 Bücher am Stück, die meisten Käuferinnen heißen Franziska. Vielen Autoren scheint es egal zu sein, ob ihnen jemand zuhört. Überdeutliches, langsames Lesen löst bei mir körperlichen Schmerz aus. Christian Meyer will eine Wette abschließen. Ich sehe immer nach Wettbüro aus. Ich schmuggle mich selbst in den VIP-Bereich der Lit.Pop, finde es dort aber langweilig und wechsle in eine Wohnzimmer-Kneipe mit Hunden. Während der Punkrock- und Drogenlyrik-Lesung pöbelt die ganze Zeit ein Zuschauer. Hinterher stellt sich heraus, dass ihm der Laden gehört. Die letzte halbe Stunde Konzert findet in völliger Dunkelheit statt. „Das ist mir zu kommerziell!“ Egge ist da. Pauline Füg „leiht“ mir ihre Sonnenbrille. Ich finde Hildesheim langweilig, wenn es da so ist, wie die Leute von dort vorlesen. Ich war noch nie in Hildesheim. In der Wasserflasche, die mir in die Hand gedrückt wird, ist Wodka. „Nur der Künstler denkt nicht daran, sich zu rechtfertigen, wenn er trinkt“, steht im Zeit-Magazin. Meine Hütte stinkt nach Nagellackentferner. Jan Philipp Zymny rollt seine Pizza zusammen. Ich stehe in der Textbox und jemand hängt den Kopfhörer hin. Ich gebe den anderen Zuhörern die Anweisung, ihn auszubuhen. Die Frau, die auf der Leseinsel vor mir liest, schenkt mir ihre letzten zehn Minuten. Danke. Niemand will ein kostenloses Spiegel-Abo. Der kleine André Hermann wird nicht am Eingang abgeholt und verpasst seine eigene Lesung. Bei Phoenix gibt es Gummibärchen. Jackson Norby ist krasser als Catwoman und der Hulk zusammen. „Oh, eine Umarmung zur Begrüßung, wie unangenehm“, sagt Sacha Brohm. Die Hütte muss um halb elf geräumt werden.

Advertisements

Meine wichtige Meinung hierzu:

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s