John Ashts self-fulfilling prophecy
Dies ist keine Rezension der ersten 9 oder 90 Seiten von TWIN-PRYX. Dies ist eine kleine Geschichte über den Kampf zweier Menschen, die glaubten, zu wissen, wie es geht, und die das Internet nicht verstehen.
Wie John Asht gestern auf Facebook mitgeteilt hat, hat er „etliche 700 Stück lauter kriminelle Negativ-Rezensionen“ seines eben erwähnten Buchs ausfindig gemacht, Screenshots angefertigt und ausgedruckt. Diese will er offenkundig seinem Anwalt übergeben. Zudem hat er bemerkt: „Allein bei Amazon hat mein TWIN-PRYX nun 114 Blödrezis von Idioten – das wird teuer für die Leute.“ Stimmt im Übrigen nicht, das sind nur die Likes einer der Einsternebewertungen.
John Asht glaubt ernsthaft, eine rechtliche Handhabe gegen Leute zu haben, die ihre negative Meinung über sein Buch im Internet verbreiten. John Asht will Leuten vorschreiben, wie sie über ihn zu schreiben haben. John Asht sieht und sah schon länger eine große Verschwörung gegen sich und gegen die seines Erachtens gehobene Literatur vor sich gehen, kriminelle Bande, die böswillig Schmährezensionen verbreiten.
Das Lustige an der Sache ist: Er hat diese Leute erschaffen.
Bevor John Asht letzten Dezember in einem Bücherblog einer Leserin mit seinem Anwalt gedroht hat, damit, dass es teuer für sie werde, hatte er für sein Buch vier Fünfsternerezensionen auf Amazon. Seine Verlegerin sprang ihm damals gleich zur Seite und schwenkte ebenfalls die Klageschrift. Das war ein Fehler.
Jetzt nämlich hat sich die Prophezeiung des John Asht bewahrheitet. Ja, es gibt eine Welle böswilliger Schmährezensionen und -besprechungen, das ist bekannt. Man nennt das Shitstorm. Die meisten behandeln die kostenlose Leseprobe seines Verlags. Da möchte ich mich nicht anschließen, denn wenn bereits in der ersten Ortsangabe ein Schreibfehler steckt, vertraue ich einem Buch wenig. Und sollte die Abwandlung „Transylyanien“ tatsächlich Absicht sein, noch weniger.
Noch immer hat John Asht nichts dazugelernt. Es ist amüsant, seinen Blog und die offene Facebook-Gruppe „Schreiben & Lektorieren & Verlegen“ zu verfolgen, in der er seine Verbohrtheit weiterhin zur Schau stellt. Gestern noch beleidigte er erneut seine Anfangs-“Gegnerin“ aus dem Bücherzeit-Blog und schrieb außerdem:
Experiment gelungen – die Organisierte Literatur-Kriminalität im Internet ist bewiesen: Google Alert hat mir binnen nur 2 Tagen ganze 742 neue, gehässige Rezensionen meines Romans „TWIN-PRYX, Zwillingsbrut“ gemeldet. Dabei aber wurde in dieser Zeit kein einziges Exemplar verkauft, geschweige denn von einem dieser Möchtegern-Rezensenten gelesen.
Dem Mann ist nicht zu helfen, könnte man sagen. Oder? Nein, ich will es mal ganz anders formulieren, denn er hat etwas Bewundernswertes geleistet:
Der Autor John Asht hat das kreiert, wovon viele Autoren ihr Leben lang träumen: Er hat es geschafft, seine Phantasie Realität werden zu lassen. Er hat die Welt verändert. Glückwunsch, John Asht!
Mehr Überraschung!
Um der individuellen Beantwortung aller besorgten Nachfragen zu entgehen, eine kurze Nachbetrachtung der samstäglichen Ereignisse: Die erste Ausgabe der Überraschungsbühne war ein Erfolg. Das steht fest. Ein großer Erfolg wäre es gewesen, wenn auch alle Stühle besetzt gewesen wären. Ohne allzu konkret zu werden, sage ich nur so viel: Ich habe für meine eigene Veranstaltung am meisten Eintritt gezahlt. Aber: Passiert halt. Was werde ich bei Überraschungsbühne Nummer 10 darüber lachen, dass am Anfang nur 150 Zuschauer da waren! HA! Nachhaltigkeit ist ja ohnehin immer ein Wort der Stunde, egal welcher Stunde. Außerdem kam es nicht zu dem gefürchteten Zustand, bei dem sich die Anwesenden fragen, was denn bitteschön die Leute treiben, die auch auf den freien Stühlen hätten Platz nehmen können. Ob das Dschungelcamp wohl so spannend war am Samstag?
Manch Mitwirkender zeigte sich sogar überrascht über den Zuschaueransturm, denn anscheinend wurde zu Teilen damit gerechnet, dass wir auch Mensch ärgere dich nicht hätten auspacken können und damit alle Anwesenden beschäftigt gewesen wären. Nee nee, so war das nun wirklich nicht. Wenn ich meckere, meckere ich auf hohem Niveau, das mache ich gerne und oft und genauso ist diese Einleitung zu verstehen.
Wir hatten einen wunderbaren Abend. Wir, das sind sämtliche studentischen Teilnehmer der Übung Projektmanagement des Lehrstuhls Kommunikationswissenschaft der Uni Bamberg, die die Sache ja immerhin organisiert und den Abend mitgestaltet haben, die Künstler der ersten Ausgabe, nämlich Florian Simbeck, Tano Bokämper, die Band Ginger Redcliff, der Mann mit Melone und der geheimnisumwobene Überraschungsgast, der sich als Foxy LaScar entpuppt hat, die burlesque getanzt und Obst gegessen und sich gekonnt entkleidet hat, nicht zuletzt ich in meinem schicken neuen Anzug. Bilder folgen. Sämtliche Resonanzen des Publikums waren „gut bis sehr gut“, wie die Auswertung der Bewertungszettelchen ergeben hat. An manchen Stellschrauben muss noch … ganz leich … hallo? … BUFF … huch, da war der Ton mal wieder weg … geschraubt werden, bis alles ganz perfekt klappt. Es war das erste Mal, beim zweiten ist man ja immer etwas entspannter, nicht?
Die Show geht also weiter. Und zwar schon in vier Wochen, am 18. Februar. Mir bleibt ein kompetentes studentisches Team erhalten, das mit mir zusammen für Vorbereitung und Durchführung sorgt – und noch immer gibt es massig Künstler, die gerne vorbeikommen würden. Die wollen auch mal zurückgerufen werden. Gut, dass ich jetzt mal ein paar Tage „Bürozeit“ habe.
Was macht der eigentlich hier?
Überraschung!
Wow, plötzlich kann ich nachvollziehen, wie sich Schauspieler/Produzenten/Drehbuchschreiber/all die Fernsehaffen (positiv konnotiert!) vor dem Start einer neuen Serie fühlen und wie wichtig die Quote doch ist. Aus einer Laune heraus habe ich vor langer Zeit entschieden, eine eigene Mixed Show in Bamberg zu eröffnen. Wie es in meiner Natur liegt, muss da natürlich viel Tammtamm dabei sein, das Programm muss nicht gut, sondern exzellent sein und die Location nicht unbedingt mittelmäßig, sondern mindestens gran-di-os.
So weit ist alles getan, das Programm steht und IST exzellent, das Kind hat einen Namen, nämlich ÜBERRASCHUNGSBÜHNE, sämtliche Werbemaßnahmen laufen, ich wurde und werde bei Planung und Durchführung gar von 25 Studenten unterstützt, die einen Schein für ihre Mühen bekommen. So sieht das Plakat aus, wenn man darauf klickt, kommt man auf die Homepage:
So weit ist alles getan, wie schon gesagt. Die ersten vier Termine (= die erste Staffel) sind gebucht, Künstler aller Sparten stehen in Dreierreihen bei mir an und wollen auftreten, nun muss einzig und allein die Quote stimmen.
Ich gehe mit der Überraschungsbühne ein nicht unerhebliches finanzielles Risiko ein, wenn also die Zuschauerzahlen nicht gut bis sehr gut ausfallen, ist es ganz schnell vorbei mit der Erfolgsgeschichte. Dann wird die Februarveranstaltung noch durchgeführt, weil bereits angekündigt und weil Matthias Matuschik auftreten wird, und das war’s dann damit. Da bin ich Realist genug, um mich wundenleckend auf meine 5 anderen Jobs zu konzentrieren. Ich war noch nie Freund von Veranstaltungen die „so naja“ laufen. Entweder das Format wird angenommen oder abgeschafft, zack bumm.
Ich bin zu 100 Prozent überzeugt, dass es sich Monat für Monat aufs Neue lohnen wird, die Überraschungsbühne aufzusuchen und einen hochwertigen, unterhaltsamen Abend zu erleben. So lange aber nur ich selbst daran glaube, bringt das nichts.
Es sind lediglich 300 Plätze, die besetzt werden müssen. Eigentlich machbar. Gut, ich gebe mich zur Not auch mit einer Auslastung von 80 Prozent zufrieden. Alles, was darunter liegt, sehe ich aber als persönliche Niederlage an, die die oben benannten Konsequenzen (Absetzung nach zwei Folgen) zur Folge hat. Schade wäre es schon. Aber das ist nun mal der allseits bekannte Quotendruck, der in diesem Fall leider auch auf meinen Geldbeutel drückt.
Wieso erzähle ich das eigentlich alles? Frei heraus gesagt: Weil der Vorverkauf derzeit nicht unbedingt rund läuft und ich überhaupt keine Lust darauf habe, vor drei von dreißig besetzten Stuhlreihen einen Abend zu moderieren. Hatte ich schon erwähnt, dass ich auch moderieren werde? Sehen Sie, und schon gibt es noch einen Grund, zu kommen! Von den anwesenden Künstlern mag auch niemand vor spärlich besetzten Plätzen spielen, das ist eigentlich das Hauptargument. Und ich will mich nicht vor den Künstlern blamieren. Und ich will den Leuten einen tollen Abend bieten. Und ich habe am allerallerwenigsten Lust darauf, hinterher von irgendwem gesagt zu bekommen „Hätte ich das mal gewusst, wäre ich gekommen.“ Jetzt wissen Sie es!
Also eigentlich mache ich mir nur die üblichen Sorgen und ich bin aufgeregt wie lange nicht mehr vor einem Showstart. Möglicherweise werde ich Sie nach Samstag wissen lassen, wie es ausgegangen ist.
Bis dahin, sprechen Sie, sollten Sie in Bamberg wohnen, bitte JEDEN auf der Straße an und schleppen Sie ihn SOFORT in eine der Vorverkaufsstellen, wo Sie sich selbst auch gleich vier Tickets kaufen, ob Sie sie brauchen oder nicht, verschenken Sie sie, tun Sie mal was Gutes!
Sollten Sie nicht in Bamberg wohnen, haben Sie entweder schon lange aufgehört zu lesen oder Sie sind eine allgemein sehr interessierte Person. Dann erzählen Sie das Ihresgleichen weiter, kontaktieren Sie ihre Bekannten in Franken und geben Sie Ihr gerade erworbenes Wissen weiter, entführen Sie meinetwegen irgendwen, damit er zu meiner Show kommt, ich moderiere auch gern vor ein paar Geknebelten, solange sie noch klatschen können. TUN SIE IRGENDWAS, HERRJE, LESEN SIE NICHT SO TATENLOS HIER RUM!
Ich bin völlig ruhig.
Haben Sie am Samstag eigentlich schon was vor?
Merkwürdige Dialoge (33): Einfach digital
„Warum machen Sie denn die ganze Zeit Fotos?“
„Ich habe jetzt eine Digitalkamera!“
„Nein wirklich?“
„Ja, sehen Sie mal. Da muss man die Filme nicht mehr zum Entwickeln bringen. Nach Herzenslust knipsen. Und wenn ein Bild mal nichts geworden ist – dann lösche ich es einfach!“
„Haben Sie denn auch schon dieses neue Internet?“
„Ja, das habe ich! Aber ich nutze es nicht. Ist mir zu gefährlich. Da liest man ja Sachen …“
„In der Qualitätspresse?“
„Ich lese die BILD.“
„Verstehe … Die sagen einem wenigstens, was mit unseren Daten passiert und dass auf Facebook nur Kinderschänder rumhängen. Nicht?“
„Das wüsste man sonst ja gar nicht. Darf ich ein Foto von Ihnen machen?“
„Damit Sie es löschen können?“
„Das kann man direkt hier auf dem Displee ansehen!“
„Ist ja verrückt.“
„Man muss mit der Zeit gehen. Sagen Sie mal Käsekuchen!“
„Käsekuchen.“
…
„Zeigen Sie mal!“
„Hübsch, nicht?“
„Hm. Ist das hinter mir auf dem Foto nicht ein Promi? Der sieht so prominent aus. Gar nicht so schludrig wie Sie und ich.“
„Das wäre ja was! Wenn ich einen Promi…“
„Das müssen Sie sofort an die BILD schicken!“
„Wie soll das denn gehen?“
„In einem Paket. Da legen Sie einfach Ihre Kamera rein.“
„Wissen Sie, wo die nächste Poststelle ist?“
„Wir sind in der Post.“
Faszination Videorätsel
Vielleicht ist es vereinzelt Menschen entgangen (denn weder Constanze Rick noch Frauke Ludowig haben bisher vorbeigeschaut): Ich bin seit Längerem Mitglied einer Lesebühne, die seit Kürzerem auch organisiert und regelmäßig stattfindet und neuerdings nicht mehr Lesebühne sondern Slam Show heißt. Im Ganzen heißt sie Bube Dame Ritter – Die Slam Show mit Stargast.
Seit letztem Monat gibt es dort die Kategorie „Bilder- und Videorätsel“, in der wir – na!? – Bilder und Videos zeigen, in denen sich ein Rätsel verbirgt. Stets geht es um ein Wort oder eine Redewendung oder sonstwas, welche von uns schauspielerisch höchstkarätig dargeboten werden.
Bei den Live-Shows haben wir die Rätsel aus folgendem Video sozusagen schon versendet und da es eher schwierig ist, hier ein Freibier zu verteilen, wenn jemand auf eine richtig schwere Lösung gekommen ist, stehen die Lösungen auch schon mit drin. Man kann natürlich zwischendurch mal auf Pause drücken und nachdenken und sich dann über die eigene Intelligenz freuen, aber das will ich keinem zumuten, der sich nicht dazu in der Lage sieht.
Hier ist das Video:


