Le Slam des Romanciers

Ich habe ein neues Slam-Format erfunden. Vor fünf Nächten hatte ich die Idee dazu und habe sie zur Diskussion gestellt, nach viel Zuspruch, wenig Ablehnung und viel Gerede gebe ich kund: Der weltweit erste „Slam des Romanciers“ (Arbeitstitel) wird am 20. Oktober in der Posthalle zu Würzburg stattfinden. Das ist der Abschlusssonntag der Frankfurter Buchmesse.

Der größte Kritikpunkt, mit dem ich mich schon zu Beginn der Überlegungen selbst konfrontiert habe, ist dieser: Ist es wirklich klug, das Format Poetry Slam, das aus ablehnender Haltung gegenüber der elitären Literaturszene begründet wurde, nun wieder mit dem klassischen Lesungsformat zusammenzubringen? Ich habe Marc Kelly Smith nicht gefragt, aber so verkehrt kann es nicht sein, die zwanzigste Unterart von Poetry Slam mal auszuprobieren, so lange die eine essentielle Regel eingehalten wird: Das Publikum entscheidet über Sieg und Niederlage. Außerdem wird kein Autor gezwungen, sich beim sitzenden Vorlesen am stillen Wasserglas festzuhalten und langweilig zu sein. Kann man aber, ist ja ein offenes Format. Es gibt nur eine Zugangsbeschränkung für Teilnehmer, die, zugegeben, einen eher kleinen Teil der Menschheit anspricht: Man sollte schon mal einen Roman geschrieben haben und daraus vorlesen. Wie lange, entscheidet das Publikum.

Ohne Gewähr, da es noch immer junge Überlegungen sind, verkünde ich nun die Regeln des „Slam des Romanciers“:

  1. Teilnahmeberechtigt sind RomanautorInnen, die einen Roman verfasst haben, der zum Austragungstermin in physischer Form im Handel erhältlich ist. (Der Ausschluss von eBooks begründet sich daraus, dass die eigentlich entscheidende Abstimmung am Büchertisch stattfindet. Jeder Autor freut sich über Buchverkäufe, gibt gerne von Angesicht zu Angesicht Signaturen und beantwortet die innovative Frage, wie er auf seine Ideen kommt, auch gerne öfter.)
  2. Im Idealfall nehmen pro Slam vier AutorInnen teil. Weniger nicht, mehr schwierig.
  3. Jeder Teilnehmer erhält garantierte zehn Minuten Lesezeit und wählt selbst aus, welche Stellen des Buchs er vorliest. Und sie. Die gelesenen Stellen müssen weder der Anfang sein noch müssen sie zusammenhängen noch muss überhaupt übermäßig gelesen werden. Es gibt jedenfalls zehn Minuten Bühnenzeit, in der aus dem vorgestellten Roman gelesen werden oder darüber erzählt werden sollte. Sitzend oder stehend.
  4. Nach zehn Minuten ertönt ein wohlklingendes, akustisches Signal und die etwa elfköpfige Jury, die sich aus zufällig ausgewählten Zuschauern zusammensetzt, entscheidet, ob weitergelesen wird: Daumen hoch oder Daumen runter. Im Erfolgsfall gibt es noch mal fünf Minuten drauf, nach denen sich das Procedere wiederholt. Die Lesezeit liegt maximal also bei zwanzig Minuten. Alle Teilnehmer, die die Zeit voll machen, rücken in die Applausabstimmung um den Sieg vor. Es gibt kein Finale!
  5. Vor der Lesezeit bittet der Moderator zum ungezwungenen Interview und stellt Fragen zum Plot, zur Person, aktuellen politischen Ereignissen oder was ihn eben interessiert. Die werten Teilnehmer müssen also nicht alle Informationen in die zehn Minuten Lesezeit packen und können sich vorab schon beim Publikum einschleimen.
  6. Technische Hilfsmittel (Soundeinspielungen, Feuerwerk) sind verboten.
  7. Menschliche Hilfsmittel (Mitleser) sind erlaubt.
  8. Während der Pause und nach der Veranstaltung lädt der obligatorisch vorhandene Büchertisch dazu ein, die vorgestellten Werke in die Hand zu nehmen und sie zu erwerben. Niemand wird gezwungen, ein Buch zu kaufen, es sind keine Kameras installiert. Schön wäre es aber. Der Sieger des Verkaufsrankings wird in der Folge im sogenannten Internet bekannt gegeben.

Wenn mir noch mehr einfällt, ergänze ich. Eine Erster-Satz- oder Cover-Wertung wäre zum Beispiel auch ganz nett. Es gibt viele Möglichkeiten. Jetzt ist erst mal Sommer, da kann man lange drüber nachdenken. Das Line-Up Nummer 1 ist übrigens schon fast voll.

 

 

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