Ordinär und einfallslos

„Zu deiner Belustigung“, schrieb mein Verleger dazu, als er mir diese, hm, Rezension mit boulevardesken Einsprengseln schickte. Kaum vier Monate nach Erscheinen und freier Bemusterung mit meinem letzten Buch „Geschlechtsverkehr: Eine Einführung“ hat sich eine junge Dame vom Bibliotheksservice damit auseinandergesetzt und nun den Verlag und mich über ihre Gefühle beim Lesen informiert.

„Gerne können Sie diese Texte unter Quellenangabe ggf. für Ihre Zwecke einsetzen!“, wird man in der Begleitmail aufgefordert. Nichts lieber als das. Im Folgenden zitiert ist, chronologisch und ohne Auslassungen, die Buchbesprechung von Christin Moll, tätig für den ekz Bibliotheksservice, die genau so nun in Bibliotheken landet, die überlegen, sich mal wieder ein neues Buch anzuschaffen. Dazwischen stehen Anmerkungen von mir. Und los:

Wie der Titel schon vermuten lässt, geht es in Christian Ritters Debüt zumeist um eins: Sex in jeder Lebenslage.

Das ist mein fünftes Buch. Mein Debüt hatte ich 2006 mit dem Buch „Weiter oben“, das ist zum Beispiel bei Wikipedia weiterzulesen.
Sex wird in fünf von vierzig Geschichten thematisiert, zumeist also eher nicht. Auch dort weit entfernt von allen Lebenslagen, sondern nur am Rande, etwa während der Festrede auf einem Weinfest mit einem aufblasbaren Dinosaurier.

Ob Brüderles Sexismusdebatte, verstörende Aufklärungsbücher auf schwäbisch, Josefine Mutzenbachers Erlebnisse im Wien der Jahrhundertwende:

Womit wir die ersten drei Sätze des Vorworts und den zweiten Teil der Titelgeschichte inhaltlich schon fast nacherzählt hätten.

Der Poetry Slammer mixt sexuelle Erfahrungen seiner früheren Klassenkameraden

Wieder die Titelgeschichte, letzter Absatz. Die hat Ihnen wohl gefallen, hm? Weil es darin zumeist um Sex in jeder Lebenslage geht. Jaja.

mit völlig sinnfreien Gesprächen in deutschen Einwohnermeldeämtern.

Richig. Fast! Hier geht es wohl um den merkwürdigen Dialog mit dem abgelaufenen Ausweis. Der spielt aber nicht im Einwohnermeldeamt.

Auch seine zahlreichen Studiensemester an mehreren deutschen Hochschulen

An einer.

finden ihren Niederschlag. Dabei ist er meist eloquent und witzig,

Richtig.

oft sind seine bühnenerprobten Kurzgeschichten aber auch ordinär und einfallslos.

Ein bisschen schwammig. „Meist“ und „oft“ lassen sich eigentlich schwer in Kontrast setzen, junge Dame. Ich weiß nicht, ob Sie wirklich eine junge Dame sind, aber Sie wissen ja nach der Lektüre meines Buches auch recht wenig darüber und stellen dennoch Tatsachenbehauptungen auf, junge Dame. Was ist das überhaupt für eine Frisur, die sie da auf dem Kopf haben? Etwas einfallslos, nicht?

Sein größter Traum sei es, „Bumsbuchautor“ zu sein, wird Ritter zitiert.

Da muss wohl eine Verwechslung mit Charlotte Roche vorliegen.

Ende 2013 wird sein Roman über die fiktive Entführung Günther Jauchs erscheinen.

Gut recherchiert, junge Dame!

Vorerst sei dieses Werk nur großen Bibliotheken mit entsprechender Nachfrage empfohlen. Aktive Poetry-Slam-Szene vor Ort von Vorteil.

Also überall außer in Brandenburg.

Christin Moll

Christian Ritter

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Ein Gedanke zu “Ordinär und einfallslos”

  1. Keine Sorge. In unserer Bibliothek wird dein Buch auf jeden Fall landen … na ja, wir sammeln auch ja auch alle Bücher … aber es ist die Absicht, die zählt … ehm …

    Aber mal mal ehrlich. Solch … Texte bin ich eigentlich von der ekz nicht gewohnt. Zumeist sind sie recht objektiv, aber vielleicht wollte sie mit ihrem Text provokative Bibliothekare für das Buch gewinnen? Oder sie hat vorher Twilight rezensiert … eins von beiden wird es wohl sein.

Meine wichtige Meinung hierzu:

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