Grüßen Sie sich, Herr Matthäus!

Nur mal so, Herr Matthäus, der Sie mir nun öfter über den Weg laufen als je zuvor, da ich zu Amusementzwecken Ihr Facebook-Fan geworden bin, eine kleine sprachwissenschaftliche Hilfestellung.
So begrüßten Sie erstmals Ihre zahlreichen, treuen Anhänger:

Und so befeuerten Sie Ihre selbst gestartete Aktion, die Sie bei einer Million Likes wieder zurück auf den Fußballplatz prügeln soll.

Davon abgesehen, dass der Ausgang dieser Millionenshow bei jedem denkbaren Ergebnis für alle Beteiligten überhaupt nur unbefriedigend sein KANN, möchte ich mich darüber beschweren, dass Sie Ihre Fans nie grüßen, sondern Sie sie immer nur auffordern, es selbst zu tun, „Grüßt euch“.

Dabei sollten Sie sich mit Grußformeln doch auskennen …

Was Sie da bei Ihrer Begrüßung verwenden, ist der Imperativ. Das ist nicht sehr sympathisch. Es geht nicht überall so zu wie beim Bund oder auf dem Fußballplatz.
„Putz meine Schuhe!“, „Mach das Ding rein!“, „Brich ihm die Beine!“ ist ungleich „Grüß dich!“

Natürlich, als Franke und Weltfußballer muss man das nicht wissen, deshalb bin ich ja so nett und erkläre das. Wozu habe ich schließlich Germanistik studiert?

Bei der gängigen Begrüßungsformel „Grüß dich“ ist immer irgendwas elliptisch.
(Eine Ellipse ist etwas, was zugleich da ist und nicht da ist. Es fehlt offensichtlich, schwingt aber mit. Was genau fehlt,  ist leicht zu rekonstruieren. Zum Beispiel ist beim Fußball, wenn Sie daneben treten, der Ball elliptisch. Aber zurück zum Thema.)
Elliptisch ist bei „Grüß dich“ entweder ein „ich“ oder ein, zumindest in Bayern unvermeidbarer, „Gott“, wie bei „Grüß Gott“, oder, alles miteinander, „Grüß dich Gott“, was als Optativ (Wunschformel) eigentlich „Gott segne dich“ heißt. Das habe ich hier abgeschrieben.

Es heißt also vollständig entweder „Ich grüße dich“ oder, eher süddeutsch, „Grüß dich Gott“, wenn man „Grüß dich“ sagt. Jedenfalls ist immer ein aktiver Grüßer und ein passiver Gegrüßter dabei.

Niemals wird einfach der Befehl erteilt, der Andere solle sich selbst grüßen, dann hieße es ja „Grüß du dich“, oder, pluralisiert, „Grüßt euch“.

Das ist falsch. Falsch!
Verstehen Sie das!

Grüßen Sie sich!
Und viel Erfolg auch!

.

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Ein Gedanke zu “Grüßen Sie sich, Herr Matthäus!”

Meine wichtige Meinung hierzu:

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