Faszination Facebook: Schreibe nur für dich selbst!

Ich erzähle Ihnen jetzt mal was, das Ihr Leben auf den Kopf stellen wird. Sie werden hinterher nicht mehr der/die/das Selbe sein, halten Sie sich jetzt fest! Mir ist da neulich was aufgefallen. Es geht um die Sichtbarkeit von Facebook-Statussen. Natürlich weiß ich, dass der Plural von Status Status ist, aber dies ist ein integrativer Text, ich will niemanden von der Botschaft ausschließen, auch dumme Leuten nicht, also sage ich Statusse, damit mich alle verstehen. Es geht also um die Sichtbarkeit von Facebook-Statussen.

Wenn Sie nicht wissen, was das ist, Facebook-Statusse, fragen Sie bitte einen passierenden Menschen Ihrer Wahl, der wird es ihnen mit Freude und Hingabe erklären. Wobei Sie wahrscheinlich entweder sehr alt oder sehr unsozial sind, wenn Sie nicht wissen, was Facebook-Statusse sind, also redet man eventuell nicht gerne mit Ihnen, dann sollten Sie etwas aufdringlicher sein, verbal, nicht körperlich, oder es einfach googeln.

Wobei, wenn Sie nicht mal wissen, was Facebook-Statusse sind, sind Sie möglicherweise so ein Typ, der ein Riesenbrimborium um seine Privatsphäre und seine persönlichen Daten und so weiter macht, dann werden Sie weder Facebook noch Google vertrauen und außerdem die Webcam auf Ihrem Laptop abgeklebt haben, weil Sie da ständig jemand beobachten kann, man kann nicht vorsichtig genug sein. Dann sind Sie auch so einer, der Suchmaschinen benutzt, deren Logo ein nachwachsender Baum ist und die bei jeder Sucheingabe einen Panda adoptieren oder einen Quadratmeter Algen pflanzen. In diesem Fall fragen Sie einfach bitte Ihre Verschwörungstheoretikerkollegen oder Ihre Umweltaktivistendudes, was so ein Facebook-Status ist, die werden es zwar vielleicht auch nicht wissen, aber es geht ja im Grunde genommen immer nur darum, überhaupt miteinander zu diskutieren, nicht?

Das kann man übrigens ganz gut auf Facebook, es sei denn, man wählte die Option die – ich glaube, ich habe es schon mal erwähnt – ich kürzlich bei den Facebook-Status-Einstellungen entdeckt habe. Da kann man die Sichtbarkeit seiner Neuigkeiten regeln. Sichtbar für die ganze Welt, nur für meine Freunde, für meine Freunde und deren Freunde oder, jetzt kommt’s, und darüber war ich doch ein bisschen erstaunt: Sichtbar nur für mich selbst. Man kann Facebook-Statusse nur für sich selbst verfassen und sie nur ganz alleine lesen und sich darüber freuen, dass niemand anderes es mitbekommt. Das ist doch was, was Neues, was Sinnvolles, was Revolutionäres, das eröffnet weitreichende Möglichkeiten.

Bildschirmfoto 2012-12-19 um 15.57.01

Wie oft habe ich mir schon gedacht, wenn ich ein interessantes Geräusch produziert oder irgendetwas Abenteuerliches mit Streichhölzern oder Bauchnabelfusseln gebaut habe: Ja, ist schon ziemlich cool, das würde ich gerne irgendwem anvertrauen, aber andererseits wäre es mir dann vielleicht doch irgendwie zu peinlich. Genau dafür gibt es jetzt diese Funktion. Man vertraut seinem parasozialen Freund Facebook Vertrauliches an.

Ich zum Beispiel säubere gerne mit Zahnbürsten Computertastaturen. Man hört ja immer so viel darüber, wie dreckig das in Computertastaturen zugeht, da sammelt sich einiges an, Hautschuppen, Haare, Körperflüssigkeiten, Insekten und so weiter. Deshalb habe ich zuhause eine eigene Zahnbürste, die ich nicht für meinen Mund sondern für meine Tastatur benutze, weichborstig natürlich, und führe regelmäßig eine Tiefenreinigung durch. Meine Tastaturzahnbürste nehme ich nicht überall mit hin, allerdings überkommt mich auch mal andernorts bei fremden Leuten oder Freundesleuten das Bedürfnis, deren Computertastatur zu säubern, wenn ich sehe, dass sie sehr dreckig ist. Und natürlich weiß man, wo man in fremden Wohnungen mit hoher Wahrscheinlichkeit Zahnbürsten findet. Die Leute wären mir dankbar, wenn sie wüssten, was ich für die Hygiene ihres Arbeitsplatzes tue, könnten aber vielleicht nicht das größte Verständnis dafür aufbringen, dass ich die Zahnbürsten nach der Reinigung einfach wieder zurück in den Zahnputzbecher stelle. Daher habe ich das noch nie jemandem erzählt, bis ich die Facebook-Einstellung „Nur ich darf es lesen“ gefunden habe. Seit ich es dort losgeworden bin und mit dem Wissen darum, dass natürlich Facebook selbst das irgendwie mitlesen kann, fühle ich mich doch irgendwie besser, weil ich es jemandem anvertraut habe. Ich kann das nur jedem empfehlen. Es ist das gleiche Prinzip wie bei einer Beichte, aber man muss nicht aus dem Haus und danach aufwändig und unbequemn auf der harten Holzbank kniend beten, um die Sünden wieder loszuwerden

Ich bin jetzt so ziemlich komplett dazu übergegangen, bei Facebook nur noch für mich selbst zu schreiben. Weiterer Vorteil: Ich muss keine Einkaufszettel mehr auf konventionellem Weg verfassen und schone somit die Umwelt. Ich poste auch Bilder, die mir gefallen aber von denen nicht unbedingt jeder wissen muss. Bilder von Selena Gomez beim Schuheshoppen, oder von süßen kleinen Hamstern, die ihre Schnäuzelchen gegeneinander stupsen.

Ich schreibe mir auch selbst super Motivationssprüche wie z.B. „Alle, die das lesen, sind toll“. Das mache ich wirklich gern. Und der größte Vorteil ist, dass sich niemand beschwert, wenn man den eigenen Status liket.

Das alles ist so fantastisch, dass ich nur allen Facebooknutzern dringend empfehlen kann:

Macht mit! Springt auf! Seid dabei! Und behaltet öfter mal was für euch!

Solo-Status

[Dieser Text ist meinem noch nicht erschienenen Kurzgeschichtenbuch „Geschlechtsverkehr: Eine Einführung“ entnommen. Kaufen Sie das doch bitte, wenn es im Frühjahr 2013 im Unsichtbar Verlag erscheint. Merci!]

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2 Gedanken zu “Faszination Facebook: Schreibe nur für dich selbst!”

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