Nintendo says NO

Wäre es nicht total dufte, sich mit vielen Menschen zu treffen, um auf Game Boys gegeneinander Tetris zu spielen? Man könnte gleich eine Meisterschaft draus machen. Super Idee. Ein Retro-Gaming-Abend, am besten mit 64 oder 128 Teilnehmern. Ich hatte die Idee nicht mal selbst, ich hatte gesagt bekommen, in einer anderen Stadt plane jemand (zufällig der, der mir davon erzählt hat) eine Tetris-Meisterschaft. Eher im privaten Rahmen. „Mach ich auch“, sagte ich, aber wie es meine Art ist, ein bisschen größer.

Da ich sowieso grade Lust hatte, mal wieder zu Jahresbeginn ein neues Konzept auszuprobieren, habe ich also binnen ein paar Tagen alles organisiert, Club klargemacht, Mitstreiter und Preissponsoren gefunden und herumgefragt, wer dafür seinen alten und noch weitestgehend funktionsfähigen Game Boy zur Verfügung stellen möchte, der seit 1989 im Schrank liegt.

16 Spielgeräte zusammenzubekommen war gar nicht mal so schwer, ein paar Dialogkabel mehr würden nicht schaden. Mehrere DJs schickten spontan Anfragen, ob sie Bit-Sound auflegen dürften. Eine Super Nintendo Konsole steht nun auch bei mir herum und ich versuche regelmäßig, ihr durch langes Anstarren das Geheimnis zu entlocken, wie man sie an einen Beamer angeschlossen bekommt. Insofern steht alles: Spielgeräte, Datum, Club, genügend Interessenten zur Teilnahme, Rahmenprogramm, Preise.

Es sollte ein No-Budget-Event werden, aber eben ein öffentliches. Wird es vielleicht auch. Aber ich bin mir nicht mehr so ganz schlüssig, ob ich es wirklich durchziehen möchte, da jemand etwas dagegen hat. Dieser Jemand ist nicht irgendwer, dieser Jemand ist Nintendo Deutschland.

Ich hatte nämlich die tolle Idee, mal dort in Großostheim anzurufen, Nintendo selbst von der Meisterschaft zu erzählen und zu fragen, ob sie denn in irgendeiner Form Lust auf Unterstützung hätten. Das ist soweit nicht außergewöhnlich, ich rufe ständig bei irgendwelchen Firmen an, um ihnen irgendwas Ideelles zu verkaufen. Tagesgeschäft. Nicht dass es jemals Erfolg gehabt hätte, aber würde ich nicht zu solchen spontan-euphorischen Kontaktaufnahmen neigen, wüsste ich noch immer nicht, dass weder Ritter Sport noch Dildoking mein Privatsponsor werden möchten.

Die Nintendo-Frau am Telefon war wirklich sehr nett, fand die Idee spektakulär und sagte, sie würde gern selbst mitspielen. Was Nintendo da konkret tun kann, wisse sie nicht genau. Vielleicht Sachpreise. Ich sollte die Anfrage „einfach ganz unkompliziert“ mal schriftlich schicken. Habe ich getan. Und ein paar Tage später kam die Antwort. Hier in Auszügen:

Wie Sie sicher wissen, sind alle Videospiele urheberrechtlich geschützt, so dass eine öffentliche Wiedergabe bzw. das öffentliche Zugänglichmachen dieser Spiele nur mit Zustimmung des jeweiligen Urheberrechtsinhabers erfolgen darf. Leider müssen wir Ihnen mitteilen, dass es Nintendo aufgrund der Vielzahl derartiger Anfragen und der Komplexität der Rechtesituation der einzelnen Spiele nicht möglich ist, jede einzelne Anfrage zur Nutzung von Spielen zu prüfen, so dass wir solche Lizenzanfragen grundsätzlich ablehnen müssen.

Wenn Sie der Auffassung sind, dass auch ohne Erlaubnis des Rechteinhabers eine rechtlich zulässige Nutzung vorliegen könnte, regen wir an, dass Sie dies anwaltlich prüfen lassen. Nintendo ist es leider nicht möglich, Sie insoweit rechtlich zu beraten. Daher möchten wir Sie weiter darauf hinweisen, dass wir Ihre Veranstaltung nicht unterstützen können. Sie sind daher nicht berechtigt, unter Verwendung der Nintendo Marken und/oder Logos auf Ihre Veranstaltung hinzuweisen oder Nintendo Marken oder Logos in einer anderen Weise zu verwenden, die eine Unterstützung Ihrer Veranstaltung durch Nintendo nahelegt.

Statt spontan zu resignieren, dachte ich so: Ich lasse die Mail mal ein paar Tage ruhen, vielleicht klingt es ganz anders, wenn ich sie nochmal lese. Das habe ich nun eben gemacht, bin aber noch immer nicht schlauer. Sobald ich „anwaltlich prüfen“ lese, überkommt mich da ein flaues Bauchgefühl und der Verdacht, ich selbst würde irgendwas Unrechtmäßiges tun, wenn ich mir mit viel Zeitaufwand auf Leihbasis Spielgeräte, auf denen nunmal zwangsläufig „Nintendo“ steht, zusammensuche, um im Rahmen einer kostenlosen Veranstaltung kollektiven Spielspaß zu bieten. Game Boys werden gar nicht mehr produziert, wie ich auch von dem Telefonat weiß, ich sehe die Sache also tatsächlich als einen spaßigen Retro-Ausflug an, gegen den eigentlich niemand was haben kann. Es ist eine der seltenen Veranstaltungen, bei denen ich keine Gewinnerwartung habe, im Gegenteil sogar draufzahle, um das eben mal gemacht zu haben, weil ich es eine verfolgenswerte Idee finde. Bringt keinem was, ist nicht mal Charity oder so, ist im großen Kontext ziemlich belanglos, aber ich freue mich drauf.

Nun frage ich mich eben, wie ernst eine solche Mail zu nehmen ist. Wird Nintendo, die ja nunmal mittlerweile wissen, wer ich bin und was ich Schlimmes vorhabe, irgendwelche rechtlichen Schritte gegen mich einleiten? Haben sie überhaupt die Möglichkeit dazu? Der gesunde Menschenverstand schreit „Nein!“, aber der hat nicht viel mit Juristerei zu tun.

Um es kurz zu machen, ich brauche Einschätzungen und Ratschläge von Leuten, die sich damit auskennen. Wer weiß was? Wer möchte das mal fachkundig anwaltlich prüfen und als Gegenleistung einen Startplatz für die Meisterschaft erhalten?

Kann ja nicht sein, dass ich zum Beispiel dieses aufwändige Video völlig umsonst produziert und mir dafür mein Knie ruiniert habe:

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Meine wichtige Meinung hierzu:

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