Text auf Vierfünfzig

Innerer Monolog eines Poetry Slammers kurz vor dem SLAM2012

Morgen geht es los. In Heidelberg und Mannheim treffe ich mich mit 200 Slammern, um die alljährlichen deutschsprachigen Meisterschaften zu zelebrieren. Die Vorfreude ist seit etwa einer Stunde stark ausgeprägt. Seit etwa einer Stunde habe ich nämlich einen neuen Text fertig und denke mir einerseits, wie bei jedem neuen Text, dass er doch schon sehr genial sein könnte, andererseits bereue ich es auch, dass ich in den letzten Wochen bezüglich neuer Slamtextproduktion sehr faul war. So konnte ich ihn vor keinem ahnungslosen Publikum testen, obwohl es genügend Gelegenheiten gegeben hätte. Hängt natürlich auch damit zusammen, dass ich ihn eben erst geschrieben habe. Jedenfalls kann mir nun niemand bestätigen, dass der Text gut ist. Außerdem ist er noch zu lang und das Ende gefällt mir nicht. Wie eigentlich immer. Endenschreiben ist ein großes Problem für mich. Am liebsten schrübe ich Texte, die nach drei Vierteln aufhörten und selbst fertiggedacht oder fertiggeschrieben werden müssten. Ich hätte gerne eine gespaltene Persönlichkeit und der andere soll meine Enden schreiben. Bitte.

Was bin ich froh, dass ich mir das neue Problem noch gerade rechtzeitig eingebrockt habe. Bisher war ich doch sehr relaxt, weil ich überhaupt nur einen verwendbaren neuen Text besaß und natürlich den in der Vorrunde machen wollte. Aber der kam eben auch in einem von sieben Fällen nicht gut an. Man hätte es so schön auf das Publikum oder Lospech oder verdorbenes Obst im Backstageraum schieben können! Nee, jetzt bin ich wieder selbst schuld, wenn ich rausfliege, weil ich den falschen der beiden Texte ausgewählt habe.

Der neue Text ist außerdem noch zu lang, wie gesagt. Die Maximalzeit beträgt 5.15 Minuten. Wer weiß, ob ich so tolle Dinge geschrieben habe, dass Zwischenapplaus aufbrandet? Wer weiß, ob ich das völlig falsch einschätze, niemand an den dafür ausgelegten Stellen reagiert und lacht und ich deshalb beginne, unsicher zu werden, mich zu verhaspeln und schließlich zu weinen? Beide Optionen verlängern die Lesezeit und derzeit ist der Text noch Fünfzwanzig lang. Das muss radikal auf Vierfünfzig gekürzt werden, um auf jeden Fall in der Zeit zu bleiben! Was soll da raus, welche Stelle ist verzichtbar? Die mit dem Wolfsangriff im Thüringer Wald? Die mit den Käsespätzle zu Weihnachten? Die mit Iris Berben im Pentagon? Ich weiß es nicht, sie sind einfach alle fantastisch. Den alten, bestehende, eingeplanten Text habe ich auch noch nie auf Zeit gelesen. Mache ich gleich mal … Fünfnullfünf. Uffz. Vierfünfzig wäre besser.

Kann man hier eigentlich eine gewisse Aufregung herauslesen? ZU RECHT! Es ist meine achte (Ich bin so alt!) Meisterschaft, aber trotzdem ist seit eben wieder dieses Kribbeln da. Und das freut mich. Ich hatte lange darauf gewartet. Wie üblich schwanke ich zwischen „Fliege eh am Anfang raus bei der Konkurrenz in der Vorrunde“ und „Was werden meine Dankesworte sein, wenn ich das ganze Ding gewonnen habe?“

Gut, dass ich mir durch einige kleine private Wettrunden auf die Ergebnisse und das Grübeln über Fragen wirklich bedeutenden Ausmaßen („Was soll ich zur Moderation der Teamvorrunde 1 anziehen?“, „Morgen noch flott zum Frisör?“) ein bisschen Zerstreuung verschaffen kann. So gesehen sehr gut, dass die Aufregung erst jetzt einsetzt, dann geht sie nur einen Tag lang, und zweimal schlafen ist ja auch noch zwischendurch. Uiuiuiuiui.

Dampfen wir das alles mal auf einen Satz herunter: Heidelberg, es geht los!

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