Berlin mit Hund

Berlin. Diese Stadt ist ja so aufregend. So pulsierend. Wo man hinsieht bewegte Geschichte. Zum Greifen nah. Hach. Man möchte den ganzen Tag einfach nur die Stadt und die Menschen auf sich wirken, nein, sich erobern lassen. Berlin! Spaß beiseite. So war meine kleine Berlin-Tour:

Drei Slams an drei Tagen habe ich mitgemacht, von Mal zu Mal lief es irgendwie schlechter. Daher habe ich mich aus dramaturgischen Gründen dazu entschieden, mit dem Ende zu beginnen, damit es am Anfang ein Happy End gibt … Also:

Der dritte Slam fand gestern im King Kong Klub statt. Sehr schicker Laden. Nicht im Sinn von herkömmlich schick aber im Sinn von berlinesk schick. Ein Arrangement aus Sofas, deren einzige Gemeinsamkeit ist, dass sie Sofas sind, bildet das Interieur. Licht ist kaum vorhanden. Nach sehr gut gelaufenen Buchverkäufen an den beiden Tagen zuvor habe ich nur noch 2 Kurzgeschichtenbücher und 7 Krimis dabei. Weshalb aber niemand etwas davon haben will, erklärt sich durch eine Reihe unglücklicher Zufälle, an deren Ende ich aus dem Wettbewerb fliege.

Erstens: Ich werde als Erster gelost. Zweitens: Es ist erst die Hälfte der Zuschauer da, als ich lese. Drittens: Dadurch ist auch die Stimmung noch nicht so ganz angekommen, maximal zur Hälfte. Viertens: Das bemerkt auch eines der Jury-Mitglieder und beschäftigt sich anderweitig. Er weiß nicht, dass er schon beim ersten Text zuhören sollte und ist stattdessen in einem wichtigen Gespräch mit seiner Begleitung vertieft. Wertung: Nach etwas Überredung zeigt er Einsicht und eine Note, nämlich eine 5, die zwar als niedrigste gestrichen, mir aber später das Ausscheiden bescheren wird.
Dass ich absolut in Vergessenheit gerate, bemerke ich später auf der Heimfahrt, als um mich herum der Slam diskutiert wird, ich darauf warte, gehuldigt oder bedauert zu werden, aber die Leute waren noch gar nicht da, als ich dran gewesen war. Ich beschließe, mich nicht in das Gespräch einzuschalten.

Zwischen den Slams, die alle von Daniel Hoth (Bild oben, im King Kong Klub) und Sarah Bosetti (heute kein Foto) organisiert und moderiert wurden, habe ich auch bei den beiden und ihrem Hund (Bild unten) gewohnt. Auch wenn der Hund auf diesem Bild scheinheilig freundlich und harmlos tut, hat er mich doch immer angeknurrt, wenn wir grade allein in einem Zimmer waren. Wir wurden keine Freunde und gingen uns aus dem Weg, vor allem ich ihm.

Der zweite Slam fand am Dienstag im Frannz Club in Prenzelberg statt. Da lief es noch sehr viel besser für mich, ja, es hat geradezu sehr viel Spaß gemacht. Der Raum war nicht nur sehr schick, im herkömmlichen und gehobenen Sinn, sondern auch so voll, dass hinten noch ein paar Leute herausgequollen sind. Stimmung Eins-A. Mir wurde lediglich aus der ersten Reihe einmal der Stinkefinger gezeigt, als ich einen harmlosen und plumpen Vegetarier-Diss abgelassen habe. Wahrscheinlich hatte der Mann einfach nicht genug Kraft, alle Finger zu heben und wollte eigentlich winken. Ich empfehle ein Rinderhüftsteak, um das in den Griff zu bekommen.

Der Grund, weshalb ich nicht gewonnen habe, ist unten abgebildet und heißt Volker Strübing. Er hat seinen sehr, sehr tollen Finaltext über das Innenleben der Slamszene (da sollte man mal ein ganzes Buch drüber schreiben!) erst kurz vorher im Zug geschrieben und sich trotzdem seltener verlesen als ich. Gab Bierchen frei. Der Sieg sei ihm gegönnt, so oft erlebt er das ja nun auch nicht … Eine erstaunliche Parallele zum zeitgleich ausgetragenen Fußballspiel Bayern gegen Basel (ich bin Basel). Dennoch kam ich über drei Runden jedesmal sehr gut an und am Ende waren alle Bücher weg und man ging noch zusammen mit dem Siegerwhiskey in eine Bierkneipe. Fun Fact: Volker war mit dem Fahrrad exakt gleich schnell wie wir mit dem Taxi.

Im Hause Bosetti/Hoth war morgens übrigens immer was geboten. Einmal kam der Schornsteinfeger oder so (ich dachte danach, ich hätte es geträumt) und einmal kamen Sarahs Bücher. Ihr allererstes Buch! Toller Titel: „Wenn ich eine Frau wäre“ .Das Lustige daran ist, dass sie eine Frau ist … Sollte man unbedingt kaufen und lesen oder eines von beidem, in Kombination ist es aber am befriedigendsten und auf ihrer Homepage findet man es.

Den Contest gegen Daniel Hoth in der Disziplin Langschlafen konnte ich übrigens mit 2:1 für mich entscheiden. Nur so am Rande. Gegen 16 Uhr gab es immer Frühstück.

Der erste Slam war am Montag der Prosa Vs. Lyrik Slam im geschichtsträchtigen Kaffee Burger (ja, in dem Fall ist das richtig geschrieben), bekannt von den dort ausgetragenen Russendiskos und deren Erfinder Wladimir Kaminer. Es wird dort viel vorgelesen und auch am Montag war fachkundiges Publikum anwesend. Im direkten Duell der Gattungen war Felix Jentsch die Lyrik und ich die Prosa, wir hatten drei Duelle gegeneinander und letztendlich ging der Erfolg mit 2:1 an mich. Nice. Wahre Jubelstürme brachen aus und mir wurden sieben Bücher weggekauft, was für die dortigen Kaufgewohnheiten sehr viel ist, wie mir danach gesagt wurde. Dass also zum Beispiel Max Kennel zeitgleich in Ulm 35 CDs verkauft hat, lässt sich nie und nimmer als vernünftiger Vergleich strapazieren. Wer kommt überhaupt auf so eine abseitige Idee?

Nach dem Slam hat dann wahrhaftig der Bär getobt im Kaffee Burger. Das Bild der Überwachungskamera aus dem Nebenraum zeigt die Geschwister Hoth auf der prall gefüllten Tanzfläche.

Zurück in die Zukunft: Heute mache ich mich auf den Weg zur Leipziger Buchmesse, wo ich zunächst heute Abend im Zoo lese (neben dem Katzenpanda) und im Wohnwagen des Unsichtbar Verlags auf dem Campingplatz einchecke. Klingt gut, finde ich auch. Wie das wird, steht dann bald an dieser Stelle. Stay tuned!

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Ein Gedanke zu “Berlin mit Hund”

  1. Ich muss also Eingelogt sein, um hier zu kommentieren, okay, dann so noch mal ;-):

    Schade das ich nicht da war, da habe ich diesmal ja wirklich was verpasst. Ich war die letzten Male nicht da, weil irgendwie immer die selben Texte kamen, die ich dann schon auswendig kannte ;-). Diesmal habe ich also was verpasst, nämlich dicht, und dabei hätte mich das echt einmal interessiert.

    Der andere Kommentar war ein wenig anders, aber ich hatte ihn schon wieder vergessen 😉

Meine wichtige Meinung hierzu:

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