GNTM – Das Trinkspiel

Mit Germany’s Next Top Model verhält es sich ähnlich wie mit der Bibel: Man weiß, das kann alles nicht stimmen, aber keiner wird daran gehindert, es zu glauben. Am spannendsten ist es, wenn man beides als das betrachtet, was es ist: Eine große Show um Geld zu machen. Kandidatin oder Gläubige, wo ist der Unterschied? Heidi oder Gott, im Rahmen der Show ist das identisch.

Ganz entgegen dem intellektuellen Eindruck, den ich mich ab und an bemühe, zu vermitteln, bin ich doch großer Freund von ausbeuterischen Castingformaten, bei denen Wünsche und Hoffnungen junger Mädchen zwar nicht erfüllt, aber immerhin unterhaltsam vorgeführt werden, und letztlich, ob man nun Gewinnerin wird oder nicht, grandios und tränenreich den Laufsteg runter gehen.

Aber warum nur zusehen und nicht selbst mitmachen? Das beste Fernsehen ist interaktives. Das berühmte Sissi-Trinkspiel lässt sich hervorragend auf GNTM anwenden, da einige Fachtermini in steter Regelmäßigkeit in der Show auftauchen. Man braucht nur ein paar Leute, ein paar Dutzend Schnäpse, jeder sucht sich ein Wort aus und sobald es in der Sendung fällt, wird ein Kurzer gekippt.

Ich schlage folgende Trinkwörter vor, versehen mit Erläuterungen und Anwendungsbeispiel:

Persönlichkeit.
Jedes Mädchen hat erstaunlicherweise seine eigene Persönlichkeit, scheint dies aber entweder selbst öfter zu vergessen oder geht davon aus, dass andere es tun. Anwendungsbeispiel: „Ich habe meine eigene/eine starke/eine spezielle Persönlichkeit.“

Kämpfen.
Nicht im Sinne der direkten Auseinandersetzung, sondern immer nur selbstreflexiv verwendet. Kämpfen muss man, um im Leben weiterzukommen, ein großes Ziel zu erreichen oder Germany’s Next TopModel zu werden. (Denn nur EINE kann Germany’s Next TopModel werden!)
Anwendungsbeispiel: „Du hast ein Jahr lang gekämpft, um wieder in die Show zu kommen. Leider hat es nicht gereicht. Gib das Kämpfen nicht auf!“
Ganz, ganz eng liegt „kämpfen“ an …

Arbeiten.
Arbeiten ist hier nicht im Sinne von tatsächlicher Arbeit zu verstehen (selbst „Jobs“ sind im Kontext der Sendung nicht als Arbeit zu verstehen) sondern im Sinn von „abnehmen“ oder „üben“, zum Beispiel einen Gesichtsausdruck im Spiegel oder das Hin- und Herlaufen.
Anwendungsbeispiel: „An der Bikinifigur/deinem spontanen Gesicht musst du noch arbeiten.“

Laufen.
Laufen ist nicht gleich laufen. Komapatienten und Topmodelkandidatinnen haben eines gemein: Sie müssen das Laufen neu lernen. Gut unterscheidbar ist „laufen“ und „laufen“ durch die possessive Verwendung. „Lauf mal schön für uns!“ fordert das schwungvolle Laufsteglaufen, „lauf mal dem Taxi hinterher“ das ordinäre, flotte Fortbewegen. Zu Verwirrung kann es bei Kandidatinnen nach der Show bei Anweisungen wie „Lauf mal für mich zur Apotheke“ kommen.
Anwendungsbeispiel: „Laufen ist nicht meine Stärke.“, „Die Sara muss das Laufen trainieren.“

Heidi.
Mutter- und Gottersatz. Verbreitet Schrecken und Zuversicht, Nähe und Distanz in einem. Heidi macht nie etwas falsch und hat auch eigentlich gar keine Zeit dafür. Wofür? Zu nichts. Heidi ist beschäftigt.
Anwendungsbeispiel: „Was würde Heidi tun?“, „Heidi ist noch in Mailand.“, „Verdammte scheiße, das ist Heidi Klum!!!“, „Verdammte Scheiße, ich bin Heidi Klum!!!“

Prozent.
Fernab jeglicher Mathematik oder Logik zu gebrauchen. Die Prozentskala in Punkto Leistung beginnt bei 100 und geht ins Unendliche. Anwendungsbeispiel: „Jede Einzelne von euch muss heute mindestens 120 Prozent geben!“

Der Kunde.
Wenig beschäftigte Schauspieler aus Berlin, die in ihrer Alltagskleidung so tun, als hätten sie einen „Job“ (Stillstehen, Laufen) zu vergeben. Genauso wie Heidi ist der Kunde unfehlbar, was der Kunde verlangt, wird gemacht.
Anwendungsbeispiel: „Der Kunde hält nicht viel von Textilien.“, „Wenn der Kunde sagt ’sei sexy‘, dann lecke dir gefälligst die Lippen – oder alles, wo du sonst mit der Zunge hinkommst.“

Zusatzwort für ganz ganz harte Fälle:
Mädchen. 

Viel Spaß!

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