Es gibt keine dummen Fragen

„Wie ist das eigentlich, einen Roman zu schreiben?“

Ich befürchte, dass diese Frage in Kürze die Oberhand gewinnen könnte gegen die schon lieb gewonnenen „Wie sind Sie zum Poetry Slam gekommen?, „Kann man davon leben?“ und „Wie kommen Sie eigentlich auf Ihre Ideen, Herr Reiter?“

Wenn mein erster Roman 2012 auf den Markt kommen wird, so wird dies acht Jahre nach dem Zeitpunkt sein, zu dem ich meine erste Kurzgeschichte geschrieben habe. Der Roman, den ich gerne nur „den Roman“ nenne, weil der Titel noch nicht definitiv feststeht und ich außerdem auch gerne die Umschreibung „Krimi“ vermeide, was er zu großen Teilen ist, ist das längste zusammenhängende Schriftstück, das ich bislang produziert habe. Er besteht nach aktuellem Bearbeitungsstand aus 81 Kapiteln, die, da kommt wieder der Slammer in mir durch, eine Lesezeit zwischen einer und vierzig Minuten aufweisen, in meinem Lesetempo, also wohl geschätzt 2 Minuten bis über eine Stunde im Durchschnitt.

Die letzten beiden Tage habe ich damit verbracht, das Manuskript noch einmal komplett durchzuarbeiten, „durchzulesen“ wäre wirklich zu seicht ausgedrückt, denn in Selbstkritik bin ich, eine ganz neue Erfahrung, ganz groß. Am Rand finden sich nun 328 Striche, die jeweils für eine Korrektur oder eine Änderung stehen, ein Kapitel werde ich nochmal komplett umschreiben und bei einem anderen hatte ich wohl nach der Hälfte keine Lust mehr, das muss noch zu Ende geschrieben werden. Dafür gebe ich mir einen Tag Zeit, was wie bei den meisten meiner mir selbst gesteckten Ziele wahrscheinlich etwas zu optimistisch ist. Ende der Woche wird’s also fertig sein.

„Und dann? Ist es dann vorbei?“

Mitnichten. Die erste Korrekturrunde habe ich gestartet, nachdem ich die erste Rückmeldung meines Verlegers bekommen habe. Dieser war durchaus nicht unbegeistert über den Inhalt in seiner Gesamtheit, hatte aber drei bis vier minimale Änderungsideen, die ich für gut befunden habe – und denen ich dann eben noch 324 andere hinzugefügt habe. Erst wenn die dann mal im Text angekommen sind und ich das Ganze als rund betrachte, geht es wieder zurück zum Verlag und weiter an den Lektor, der sicherlich schon Duden-schwingend im Salon seines rheinländischen Herrenhauses sitzt und es nicht erwarten kann, mir meine Schachtelsätze und meine geliebten Neologismen links und rechts um die Ohren zu hauen. Bei einer einfallslosen Standardformulierung wie „links und rechts um die Ohren hauen“ würde ich mir das übrigens gern gefallen lassen.

Wenn er und ich uns dann nach harten Verhandlungsrunden einig sind – aus der Erfahrung mit meinen bisherigen LektorInnen weiß ich, dass man sich allein über eine dreiseitige Kurzgeschichte länger als zwei Stunden streiten kann, gerade, wenn von meiner Seite irgendwann nur noch das Pauschal-„Argument“ erklingt: „Das ist mir egal, wie der Duden das schreibt, der Duden hat kein Sprachgefühl“ – dann wird das Buch so rein vom Text her ziemlich fertig sein.

So ist das nämlich auch, einen Roman zu schreiben. Das ist nicht nur wochenlanges einsames Herumsitzen am Schreibtisch, auf der Parkbank, auf Segelbooten, unter der Brücke, in DB Lounges etc., wenn der letzte Punkt gesetzt ist, ist es noch lange nicht vorbei. Nach der definitiven Fertigstellung des Textes geht es noch an die Covergestaltung, das mache natürlich nicht ich, aber ich habe ein Vorschlags- und Mitspracherecht, und an den Drucksatz. Dann wird es wahrscheinlich noch mindestens eine weitere Korrekturrunde geben und irgendwann, genauer so ziemlich exakt Ende Februar oder Anfang März, liegt das gute Stück dann in den Buchläden rum.

„Warum schreibst du das eigentlich alles? Bist du der Erklärbar?“

Eigentlich hatte ich nur vorgehabt, darauf hinzuweisen, dass ich morgen zusammen mit meinem Verleger im Fernsehen bin, das ist mir nun grade spontan aus dem Ruder gelaufen. Mache ich dann womöglich nochmal extra. Das Bedürfnis nach Aufklärung könnte auch daraus erwachsen sein, dass ich gestern bei einem Telefonat gefragt wurde „Wie, du liest das noch mal durch? Wann kann ich es denn kaufen? In zwei Wochen?“

 

Advertisements

Meine wichtige Meinung hierzu:

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s