V wie Besucher

Da war ich aber ganz schön überrascht, als ich nach Wochen Abstinenz gestern Privatfernsehen angeschaltet und bemerkt habe, dass „V – Die Besucher“ grade auf Pro7 läuft. Die Serie habe ich nämlich letzte Woche komplett durchgeschaut. Im Original halt, „V – Visitors“ macht fast auch etwas mehr Sinn als „V – Besucher“. Naja. Ich wollte eh das Sommerloch mit einer kleinen Review stopfen und die Serie weiterempfehlen – und gleichermaßen Gründe nennen, sie sich nicht anzusehen. Paradox.

Was an dem „Serien-Event des Jahres“ (Pro7, LOL) direkt zu Beginn etwas Skepsis hervorruft: Es gibt nur zwei Staffeln. Die erste Staffel besteht aus 12 und die zweite aus 10 Folgen.

Warum das denn?

Die Antwort drängt sich dem Zuschauer bei den Folgen 9 und 10 der zweiten Staffel auf, wo auffallend viel Handlung sehr komprimiert abge-handelt wird. Das Serienende ist alles andere als befriedigend und sieht stark danach aus, als hätten die Drehbuchschreiber ihren Unmut über die Absetzung eins zu eins an die Zuschauer weitergeben wollen.
Wir sind  jetzt arbeitslos? F**k u, world, wir geben’s euch!

Aber ich möchte nicht zu viel verraten.

Worum geht es eigentlich?

29 Schiffe werden kommen. Das tun sie in der Pilotfolge. Über allen Metropolen der Welt tauchen Raumschiffe auf, besetzt mit Vs. Das steht für Visitors, wird daher englisch ausgesprochen. (Kate is under the van.)
In der Synchronisation wird „Vs“ gekonnt mit “ die Besucher“ oder einem überbetonten „sie“ übersetzt.

Über New York City parkt das Queenship, in dem, Überraschung, die Königin zuhause ist. Sie heißt Anna, ist ganz hübsch, und verkündet der Welt umgehend und dann immer wieder und in allen Sprachen:

„We are of peace. Always.“

Das klingt wirklich catchy. Wenn man es nicht gerade mit „Wir sind friedlich, für allezeit“ übersetzt …

Dieser Frieden jedenfalls ist sehr farbenprächtig. Neben der Blue Energy, einer emissionslosen Energie, mit der auch die Raumschiffe angetrieben werden, bringen die Vs auch den Red Rain, der zum Beispiel Wüsten wieder furchtbar fruchtbar macht, um nur einen seiner Vorzüge zu nennen. Achso, und er wäscht die Meere rein, von Öl und so.
Außerdem richten die sympathischen Aliens, hinter deren menschlicher Fassade sich Reptilien (o.ä.) verbergen, überall auf der Welt Healing Center ein, der Humanmedizin weit überlegen, auch Krebs wird da mal locker mit einem Taschenlampenstrahl geheilt.

Soviel zu den guten Seiten und dem, was Königin Anna die Menschen glauben macht. Natürlich haben die hässlichen Viecher in den makellosen Häuten Dreck am Stecken, und zwar gewaltigen. Hätten sie das nicht, hätte man die Serie auch ALF Reloaded nennen und mit Charlie Sheen besetzen können.

Was da unter der Oberfläche schlummert und vielleicht schon lange geschlummert hat, dem ist ein Gruppe um eine FBI-Agentin, Erica (klingt auf Englisch auch gleich viel tighter), einen Priester und einen abtrünnigen V auf der Spur.

Natürlich ist Agentin Erika alleinerziehend und natürlich verliebt sich ihr Teenager-Sohn in ein V-Mädchen, das sich recht bald als die zukünftige Königin der Vs entpuppt.
Wird auch sie gegen ihre Mutter rebellieren? Sind ihre Gefühle echt?

Soweit doch alles ganz einfach und vom Grundsetting her schonmal ne fantastische Story. Sehr sehenswert für einsame Nächte, vor allem die erste Staffel. Man sollte sich lediglich hüten, die Serie auf deutsch anzusehen. Und dann gibt es noch die folgenden, mit Sicherheit unvollständigen offensichtlichen Schwächen in der Handlung:

[SPOILER!!!]

  • Das FBI positioniert seine Scharfschützen hinter geschlossenen Fensterscheiben.
  • Bei Ankunft der Vs kommen sechshundertsoundsoviele Menschen durch die weltweiten Turbulenzen ums Leben, worum sich in der nächsten Folge niemand mehr schert. Einige Folgen später will Anna die Welt wieder verlassen, weil gerade mal zehn Menschen bei einer anderen Sache (nebulös!) aufgrund ihrer ums Leben kommen.
  • Die Vs verfügen über überlegene Technik und Energie. Sie können mit ihrem Gesundheitsstrahl sogar Wunden ratzefatz wieder heile machen und Tote wieder lebendig. Welche Toten aber wieder zum Leben erweckt werden können, scheint damit zusammenzuhängen, ob sie für die Handlung weiterhin wichtig sind. Bei manchen lassen sie es auch einfach bleiben.
  • Absolut nervig (in Staffel 2): Das ständige Geschwätz um die menschliche Seele, die die Vs zu extrahieren versuchen, um zu begreifen, was das ist. Anna fliegt sogar mal in den Vatikan, um einen Kardinal mit der Frage zu nerven – nachdem sie vorher schon mindestens 5 andere gefragt hat.
  • Kommunikationsdefizite: Zwar hat jeder Charakter mindestens ein iPhone, telefoniert ständig damit oder schaut Bilder darauf an, wenn aber Agentin Erika ein ums andere Mal vor ihrem Sohn steht, ihn schweigend und besorgt ansieht (oder umarmt, oder zärtlich über seine Backe streift) und kein einziges Wort der Aufklärung (bezüglich der Vs, sie weiß da nämlich sehr viel) ausspricht, obwohl sie nicht mal immer unmittelbar durch irgendeinen Anruf daran gehindert wird, will man ihr einfach mal beherzt in den Arsch treten und wie von Sinnen brüllen: „SAG ES IHM ENDLICH UND LASS IHN NICHT WIEDER HOCH AUFS RAUMSCHIFF, BITCH!“ Entschuldigung, ich habe mich etwas echauffiert.

Fun Fact: Der überraschende Cliff, bei dem eine Frau vor einer anderen steht und plötzlich sagt die eine  „Hello Mother!“ kommt in der Serie gleich zweimal vor.
(Gab es auch mal als „Hi Dad“ bei Dexter.)

Zusammenfassung: V erhält 7 von 10 Erdnussflips auf der Ritterskala.

Husch, husch, ab ins Internet und nach der Serie suchen! Bei eBay natürlich. Ein Schelm, wer anderes denkt.

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7 Gedanken zu “V wie Besucher”

  1. Die Alte Serie ist von 1983 und auch ganz nett. Aber das Remake hat nicht mehr viel gemeinsam mit der ursprünglichen Serie. Ich guck mir das Original mal an, bis das Remake weiter geht. 🙂

  2. Ach, was ich vergessen hab zu fragen, was macht Anna mit ihren Leuten ,wenn die so andächtig zum Mutterschiff starren und auf ihre Stimme hören? Mir fällt das Wort partout nicht mehr ein.

Meine wichtige Meinung hierzu:

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