Merkwürdige Dialoge (13): Mützenkonflikt

Ich kenne Menschen, die regelmäßig die Auseinandersetzung mit Türstehern suchen und finden. Weshalb, ist mir meistens schleierhaft. Das Resultat ist dann ein Hausverbot, ein gebrochener Finger oder nur ein blaues Auge. Ich wüsste gar nicht, weshalb ich mich mit diesem Berufsstand anlegen sollte. Tun die mir nix, tu ich ihnen nix. Anscheinend habe ich ihnen aber etwas getan und war mir dessen gar nicht bewusst.

In einem Bamberger Tanzlokal, das sich gerade noch in der Phase befindet, Wert auf die Erlesenheit seiner Gäste zu legen, also erst in etwa drei Monaten mit den vierstündigen Happy Hours und Coyote Saufpartys anfangen wird. Dorthin zu gehen war ein Gruppenzwang, der sich aus der Abendeigendynamik entwickelte, ich habe nichts damit zu tun. An der Bar treffen wir bedeutende Persönlichkeiten aus der regionalen Politik, die kurzzeitig vergessen haben, dass dahoam die Fraa sitzt und sich an alles, was Brüste hat, ranschmeißen. Darunter auch eine Dame mit Hut. Hier treffen die Handlungsstränge zusammen. Wir stehen als Grüppchen einige Meter von der Bar entfernt, ich trage meine Mütze. Klingt wie eine unbedeutende Randbemerkung. Einer der Türsteher („Security Agency“ steht auf seinem Hemd) bahnt sich uns entgegen und eröffnet das Gespräch – mit mir:

Er: Tu die Mütze runter!
Ich: Bitte?
Er: Mütze runter!
Ich: Warum?
Er:
Ich: Warum?
Er: Runter!
Ich: Warum?
Er: Das ist unsere Club-Philosophie.
Ich denke, er verarscht mich.
Ich: Was? Wie? Die Gesellschaft der Unbehüteten oder was?
Er: *grummel* … Wir lassen hier keinen mit Kopfbedeckung rein.
Ich: Die da drüben (die mittlerweile die Hand eines Volksvertreters am Gesäß trägt) hat auch einen Hut auf.
Er: Und?
Ich: Ja weil das ne Frau ist, ist das bei ihr ein Accesoir oder was?
Er: Genau.
Ich:
Er:
Ich: Das finde ich diskriminierend.
Er: Ich sag’s noch einmal im Freundlichen …
Ich: Jetzt mal ernsthaft: Ich hab mich nicht gekämmt. Deshalb hab ich die Mütze doch auf.
Er: *schnaub*
Ich nehme die Mütze ab: Schau!
Er: Ja, das sieht echt scheiße aus.
Ich setze sie wieder auf: Na also …
Er: Runter damit hab ich gesagt!

Damit er zufrieden ist, folge ich endlich seiner Anweisung. Er freut sich und geht. Ich setze die Mütz wieder auf und keiner sagt im weiteren Abendverlauf einen Ton. Trotzdem habe ich das geile Gefühl, was total Verbotenes zu tun.

Wenn ich mal einen Club aufmache, kommen da nur Leute rein, die keine dickeren Oberarme als ich haben.

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5 Gedanken zu “Merkwürdige Dialoge (13): Mützenkonflikt”

  1. Die Frauen rennen dauernd zum Friseur, weil sie sonst an ihrer Figur nix machen können! 😉
    Die Männer tragen ein Képi/Cap/Hütchen, weil sie sonst an ihrer Figur auch nix ändern können!
    Grüsse vom Schwulenpapst in Basel! 😉

Meine wichtige Meinung hierzu:

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