E suuubers Züri

Das Telefon klingelt. Ich wache auf. Hoffentlich ist es wichtig. Horst Thieme fragt, ob ich in Augsburg mein Fahrtgeld bekommen hätte. Ja, sage ich will ich sagen. Was herauskommt ist nicht mehr als atmosphärisches Rauschen. Ich habe meine Stimme in Zürich verloren.

In Zürich, beim SLAM2008. Beim (das sagt sich einen Tag danach immer ganz leicht) perfektesten, bestorganisiertesten, hervorragendsten, größten, schönsten, geilsten, entspanntesten und objektiv bestbesuchtesten National Slam, an dem ich jeeeemals teilgenommen habe (es war mein fünfter).

Teilgenommen habe ich genaugenommen nur recht kurz. Erst mal habe ich 2 Tage lang bei gelöster Stimmung auf meine Vorrunde gewartet, dabei die Poetry Lounge zu meinem Wohnzimmer und die Slammer zu meinen Freunden gemacht, sofern sie es nicht schon waren. Hatte schon fast verdrängt, dass ich ja auch noch in diesem Wettbewerb mitmischen wollte. Wie großartig die 4 Tage an sich waren, was hier und da auf welcher der Bühnen und dahinter geschah, ist an vielen vielen vielen vielen und noch mehr Stellen nachzulesen. Hinzufügen kann ich dem, dass ich keinerlei Anreiz verspürte, die bestimmt beeindruckend schöne Stadt Zürich zu erkunden und meine Zeit ausschließlich im Schiffbau und in unserer Herberge zugebracht habe. War einfach so dolle – und wenn einem mal der Gesprächspartner ausging, musste man sich nur umdrehen. Und nun weg mit der Euphorie und zu meiner Vorrunde:

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Da ich  letztes Jahr in Berlin im Halbfinale stand, wollte ich das natürlich diesmal auch erreichen. Die Voraussetzungen hätten nach der Auslosung nicht besser sein können. Meine Rundenfavoriten alle vor mir, ich auf Platz 8 und nach mir noch so ein paar Typen, die ich nicht kannte (anders gelesen: wenn die Leute urst was draufhätten, müsste ich sie kennen – ja, das bilde ich mir ein) und ein Schweizer. Schweizer habens gut in der Schweiz. Ein Schweizer auf dem letzten Startplatz bedeutet, dass außer ihm eben noch 3 andere weiterkommen und nicht, dass von vornherein 4 weiterkommen.

Scharri setzte auf Platz 1 hohe Maßstäbe, Sülle legte wohl gut nach, da war ich grade rauchen. Die Überraschung kam ausgerechnet direkt vor mir: Patrick Klebba aus Hamburg (den ich nicht kannte, viele andere ebensowenig) holte einen geilen Disko-Dialog raus und somit die Höchtnoten. Ich direkt danach: Entweder lag es an der guten Vorlage oder daran, dass die Schweizer die Textstruktur nicht verstanden oder alle keine Ahnung vom deutschen Privatfernsehen haben, weil sie sehr gebildet sind, an irgendwas musste es liegen. „Es“ steht für „ich kam nicht an“. Ein Gefühl, das mich bei diesem Text never ever before getroffen hatte. Und dann kam es eiskalt. Nach Bewertung landete ich auf Platz 4 und wusste genau: Bis zum Schweizer bleibt das auch so. Also stand ich drei Vorträge lang im Halbfinale – und körperlich in der Poetry Lounge, wo ich mich schonmal vorsorglich von Bo Wimmer trösten ließ, der vorher auch der Meinung war, bei mir könne nix schiefgehen. Dann kam Ato Meiler, der Schweizer. Er bediente sich großzügig an einer Sebastian-Krämer-Rap-Parodie, legte noch eine Strophe auf Schwyzerdütsch drauf und verdrängte mich auf Platz 5 – ausgeschieden. Schade. Wäre es wenigstens ein einfallsreicher Text gewesen, hätte ich es lockerer genommen. So bleibt die Ironie des Schicksals, dass der Slammaster des AKW-Slams von einem Mann namens Ato Meiler verdrängt wurde.

Aber wen interessierts im Endeffekt, wer wann wo rausgeflogen ist? Mein Platz-5-Schicksal teilte ich mit fantastischen Kollegen, die sich auch im Finale gut gemacht hätten. Außerdem konnte man ganz gut mit ihnen lästern, über diese fiesen Weiterkommer und die Startplätze und so, und sich gegenseitig wieder aufbauen.

Der Weisheit letzter Schluss ist: Sebastian 23 ist der Champ und das ist gut so. Gut für die Slammer, die Menschen, die Welt und vor allem für ihn. Bleu Broode, unser neuer U20-Champ, ist mir auch nicht gerade unsympathisch.

Wer der beiden besser küssen kann, behalte ich aber für mich …

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