Unnützes Wissen tatsächlich unnütz!

Im Rahmen der Vorbereitung auf meine Diplomprüfung im Schrägstrichfach Volkskunde/Europäische Ethnologie beschäftige ich mich derzeit mit Sagen – mythologischen, dämonologischen, geschichtlichen, ätiologischen und auch modernen Sagen, auch als Urban Legends oder FOAFTALEs (Friend Of A Friend Tale) bekannt bekannt. Ein Beispiel:

Freunde von mir waren kürzlich bei den Olympischen Spielen und haben ihren Hund mitgenommen. Sie gingen in ein Pekinger Restaurant, wo die Empfangsdame ihnen freundlicherweise den Hund abnahm. Sie dachten, er würde nun zum Dog-Sitting kommen. Weit gefehlt: Nach dem Essen (es wurde einfach so serviert) fragten sie das Fräulein, wo denn der Hund abgeblieben sei – sie deutete auf ihren Bauch.

…und fragte „Hat ni gesmää?“ (kleiner Zusatz meinerseits)

Um den Wahrheitsgehalt geht es zwar nicht, wenn man sich auf ethnologische Art mit der Erzählforschung befasst, doch es ist ein interessanter Nebenaspekt, der vor allem im Netz heftig diskutiert wird.

In unmittelbarer geistiger Nähe zu den foaftales wohnen abenteuerliche Gerüchte und Fakten aller Art, die ich in ihrer Gesamtheit mal als Popwissen umschreiben würde – in manchem Lifestyle-Magazin mit der Zielgruppe „dem Trend hinterherrennend und irgendwie um die 30“ werden sie auch als Unnützes Wissen bezeichnet.

Wie unnütz dieses Wissen tatsächlich ist, darauf stößt man, wenn man sich mit eben diesen modernen, oral und medial verabreichten Sensationenshäppchen etwas näher befasst. Hier sind nun einige mit Quellen (Q) versehene RICHTIGE und RICHTIGSTELLENDE Fakten:

Albert Einstein hatte zwar in seinem Abschluss-Zeugnis mehrere Sechsen, war aber dennoch ein herausragender Schüler. Das Gerücht, er sei zu Schulzeiten brotdumm gewesen, beruht auf einem Missverständnis seines ersten Biographen, bezüglich der Notengebung in Alpenländern. Einstein hatte in der Schweiz seine Matura absolviert – wo bekanntlich Sechsen den deutschen Einsen entsprechen. (Q)

Ein Satz wie „Die Erde ist eine Scheibe, Galileo!“ ist niemals gefallen. In diesem beeindruckenden Werbespot wurde das zwar in den 1990er Jahren behauptet

doch tatsächlich ging es in der Auseinandersetzung zwischen Galileo Galilei und der katholischen Kirche um Auseinandersetzungen hinsichtlich des ptolemäischen und des kopernikanischen Weltbilds, wie jeder Schüler es in seinem Brecht hätte nachlesen sollen. Die Ehrensenf-Redaktion hat das wohl nicht getan.
Ich finde ja, der Dialog „Die Sonne dreht sich um die Erde, Galileo.“ – „Nein!“ hätte der Werbewirkung keinen Abbruch getan. Allerdings hätte man dann den Meereshorizont am Ende wohl etwas weniger kugelig gestalten müssen.

In der Sprache der Eskimos* existieren nicht viel mehr Ausdrücke für „Schnee“ als in jeder anderen Sprache auch. Die moderne Sage, die Eskimos hätten über hundert Ausdrücke für Schnee, ist eine himmelschreiende Übertreibung. Von Franz Boas wurden 1911 gerade einmal vier unterschiedliche Ausdrücke verzeichnet. Tatsächlich gibt es mehr – aber nicht allzu viel mehr. Diese alle Schneeausdrücke sind jedoch mit einer gemeinsamen Wortwurzel verbunden ( wahrscheinlich: „-schnee“).
Vergleiche etwa im Deutschen: Neuschnee, Altschnee, Pappschnee, Pulverschnee, Schneematsch.
Das Gerücht ist damit zu begründen, dass auch Eskimovölker, man mag es kaum glauben, tatsächlich über mehrere Dialekte verfügen, außerdem in der Lage sind, komplizierte Umschreibungen wie „gerade erst frisch gefallener Schnee“ (ungleich Neuschnee) in nur einem Wort zusammenzufassen. (Q)

Ein Vollständiges Versinken im Treibsand ist unmöglich! (Q) Es ist damit zu rechnen, dass die folgende Filmszene der Realität entbehrt:


Dennoch wird das Motiv des Treibsandversinkens auch gerne in pädagogisch angelegten Zeichentrickserien verwendet:

Und schwimmen im Treibsand geht schonmal garnicht. Was denkt sich dieser Disney bloß??

Hier noch ein paar weitere Beispiele zu den Foaftales.

*Und da hab ich doch nebenbei gleich noch was Neues entdeckt, speziell für professionelle Echauffierer, die immer gerne behaupten, der Begriff „Eskimo“ sei politisch unkorrekt und man müsste stattdessen „Inuit“ sagen. Tja, was ist das wohl?

Richtig, eine Urban Legend!( Q)

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