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„Warum ist hier in letzter Zeit eigentlich so wenig los?“, fragt Gisbert H. aus N. per Telegramm.

Keine Sorge, das wird auch noch eine Weile so bleiben. Schließlich ist grade Sommerpause, sowohl was den Slam- als auch den Unibetrieb betrifft, ich lerne fleißig für eine der Diplomprüfungen und schreibe noch fleißiger an meiner Diplomarbeit herum (Thema: Interessenkonflikt im dualen Rundfunksystem angesichts des Entwurfs zum 12. Rundfunkänderungsstaatsvertrag / Conflict of interests in the German dual broadcasting system facing the draft for the 12th modulation of the Interstate Treaty on Broadcasting).

Heute allerdings gabs mal wieder einen Auftritt und – was soll ich sagen? – ich müsste lange nachdenken, um einen passenden Vergleich zu finden, und dazu habe ich grade keine Lust. Auf die Schnelle vielleicht: Es ist, wie wenn man hunderte Kilometer im indischen Ozean schwimmt und schließlich eine rettende Insel mit einem Schnitzel mit Pommes und einem Fass Bier drauf findet.

Die letzten vier Wochen über hatte ich nämlich nicht einen einzigen Auftritt und ich habe erst realisiert, wie sehr mir das gefehlt hat, als ich vorhin auf der Bühne stand.

Als ich die Open-Air-Lokalität, den KUNO in Nürnberg, betrat, strich ich erstmal in Gedanken zwei fest eingeplante Texte, da mir das Publikum zu hochkulturell aussah. Die beiden Texte richten sich zu großen Teilen nämlich gegen Hochkultur im Allgemeinen und das Hochkulturpublikum an sich im Besonderen. Kurzum war ich, je mehr ich von den Programmpunkten vor mir mitbekam, desto fester davon überzeugt, dass mein Auftritt floppen würde. Ein gemeinsamer Nenner zwischen mir und denen? Niemals!

Doch wie sagte schon weiland Genosse Lenin: Die Unwissenheit ist der Wahrheit näher als das Vorurteil.
Ich hätte es vorher nicht für möglich gehalten, aber mit meinem Auftritt um 16.20 Uhr hatte ich wohl tatsächlich die Prime Time des sonntäglichen Leseerlebnisses erwischt. Bis auf den letzten Bierbankplatz besetzt, ließ sich das mir immer symapthischer werdende Publikum willig amüsieren. Selbst ein böser, böser Texthänger machte mir nichts aus, so gut war ich beim Lesen drauf. Auftritt: gelungen! Anschließendes Interview auf der Bühne: gelungen! Buchverkäufe: uiuiui…

Bisher war meine Zufriedenheitsskala voll gefüllt, wenn ich nach einem Auftritt 8 Bücher aufwärts verkauft habe, wobei bei 12 dann auch das absolute Fahnenstangenende erreicht war. Diese Dimensionen wurden heute mal eben völlig ad absurdum geführt: Als ich die Veranstaltung verließ, waren 24 Bücher verkauft. Gefühlte 23 davon durfte ich auch signieren, wobei sich mal wieder gezeigt hat, dass es durchaus Sinn gemacht hat, mir 4 verschiedene Standardsignaturen auszudenken, die möglichst spontan erdacht wirken („Wünsche enormes Lesevergnügen und…“). Die Leute schienen jedenfalls mit dem Bucherwerb genauso zufrieden zu sein wie ich mit dem Verkauf und das, liebe Freunde, ist doch das größte Geschenk von allen (*trief, schmalz*).

Ein Blick auf meinen Kalender verrät mir, dass mein nächster fest geplanter Auftritt als Vortragender noch 11 Wochen auf sich warten lässt. Das kann ich so nicht verantworten. Jetzt auch mal von Seiten der Menschheit gedacht. Gut, dass mir heute gleich mehrere Folgeauftritte angeboten wurden. Der interessanteste dabei ist ohne Frage der in einem Seniorenzentrum. Werde gleich mal meinen Verlag fragen, ob man mein Buch zielgruppenorientiert mit einer Leselupe ausstatten könnte…

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Meine wichtige Meinung hierzu:

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