Powered by Emotional Incoming and Outfinding

AAAARGH, UMPF, NÄÄG, NICH, GRRRML!!!

Etwa diese Laute musste ich vorhin von mir geben, als ich Kerner angeguckt habe und die Gesprächsrunde um Grinsebert Bastian Sick und Wolf Schneider auf das Thema „vermeidbare Anglizismen in der deutschen Sprache“ kam.
Ich wusste genau, was die beiden gleich von sich geben würden und schämte mich schon im Voraus dafür fremd.

In gefühlten 30 Rhetorikseminaren, Seminaren zur politischen Bildung im Zivildienst und sprachwissenschaftlichen Veranstaltungen in der Uni habe ich die beiden lustigen Paradebeispiele schon um die Ohren getönt bekommen. Daneben etwa genauso oft in „gut recherchierten“ Artikeln gelesen.
„Die Leute glauben ja, dass“
, heißt es dann immer als Einleitung. So natürlich auch diesmal.
(„Die Leute“ im Sinne von „die Dummen, die grade die Privaten gucken“.)

Und dann gehts los.

Kerner fragt in seiner gewohnt einstudiert-dreimalgeprobt-naiven Art: „Haben Sie da vielleicht ein Beispiel für uns? Man will sich das ja vorstellen blabla?“

Was kommt? Einmal darf man raten. Douglas und Sat.1. Natürlich. Wie immer.

Schneider: „Die Leute haben ja geglaubt, ‚come in and find out‘ würde bedeuten ‚Komm rein und finde wieder raus.'“ Der Brüller!

Und der andere alte Hut mit der „Kraft durch Freude“, als die „powered by emotion“ angeblich missverstanden werden kann, wird natürlich freudig hinterhergeschossen. Das Publikum geht ab wie Zäpfchen, als wäre das erstens neu und zweitens tatsächlich amüsant, und komischerweise denkt keiner (nicht mal Kerner) daran, irgendwen aus dem Studio zu schmeißen.

Vielleicht sollte den Herren Sprachpredigern mal jemand ausrichten, dass „die Leute“ das ganze Anglizismenwischiwaschi schon tausendmal gehört haben und dass sie sich allmählich mal was anderes einfallen lassen könnten. Es lassen sich doch auch andere fremsprachliche Einflüsse wieder hübsch rückgängig machen. Auf gehts!

Wie wärs denn mit Gräzismen?

Fladenfleisch
statt Gyrospita!
Einsprechgerät
statt Mikrofon!
Teufelszeug
statt Cannabis!

Gallizismen?

Integrierter Außenhausbereich statt Balkon!
Bumsladen
statt Bordell!
Oder der gute alte Glimmstengel oder heiße Sargnagel statt der Zigarette!

Italianismen?

Gefahrgeräusch statt Alarm!
Pferd mit langem Hals
statt Giraffe!
Tierkadaverresteverwertung statt Salami!

and so on.

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3 Gedanken zu “Powered by Emotional Incoming and Outfinding”

  1. Oh ich danke dir! Ich hasse Bastian Sick, bzw. die Leute, die ihn lesen und denken, sie würden da was Neues erfahren. Man kann nicht oft genug darauf hinweisen, was für ein gehypter (Nimm das Sprachhüter, haha!) Kommerzmüll das ist.

  2. Naja, dem kleinen Bastian scheint eine korrekte deutsche Sprache Halt und Orientierung in unserer schnelllebigen Zeit zu geben. Ich hab ihn mal bei Beckmann oder sowas gesehn, als er davon erzählte, dass er gerne Peter-Alexander-Platten hört und -Filme kuckt.Dass dieses „heutzutage etwas altbacken wirkende“ Zeug von den Leuten oft belächelt werde,dabei aber vergessen werde,dass Peter Alexander ein Entertainer ist,der ein ordentliches Handwerk verrichtet.Sollte man Notiz von nehmen.

Meine wichtige Meinung hierzu:

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