Kill Your Darlings
Die letzten zwei Stunden habe ich damit verbracht, einen dreiminütigen Text zu proben.
Das ist gar nicht so leicht, wie es sich anhört. Denn der Text war zu Anfang mal sieben Minuten lang, dann habe ich ihn auf fünf gekürzt und auswändig gelernt und das hat etwa ein Jahr lang ganz gut geklappt.
Dann aber aus einem quasi perfekten Text noch zwei Minuten rauszuschnibbeln, weil das Fernsehen einen nur drei Minuten auf die Bühne lässt, das grenzt an Brudermord. Unter Tränen habe ich es gestern Nacht dennoch fertig gebracht und jetzt verhaue ich zuverlässig alle Übergänge, weil ich immer einen anderen Anschlusssatz als den aktuell richtigen im Kopf habe.
In einer Woche in Kölle sollte das dann aber sitzen. Die Betonung liegt auf “sollte”. Ein Aussetzer kommt doch auch ganz sympathisch … bestimmt.
Wer wissen möchte, um welchen Text es geht, muss nur nach oben scrollen und was Rotes suchen.
Landshut intim
Gestern war ich on Tour im Freistaat. Sie endete in Landshut beim dortigen Poetry Slam.
Die Nacht zuvor hatte ich darauf verwendet, den neuen Text “Das Böse in meinem Keller” a.k.a. “Wilfried” auszubauen, überzubügeln und besser zu chronologisieren. Endlich mal wieder ein Winner-Text. Wie lange musste ich darauf warten?
Das kleine Theater hat seinen Namen zurecht, denn zunächst habe ich es nicht gefunden. Punkt 20 Uhr hat mich Heiner dann herbeitelefoniert, ich war schon zehn Minuten im Umkreis von 50 Meter suchend umhergeirrt. Die Größe des Theaters war für die herbeigeströmten Massen auch nur zwingend ausreichend. Anders gesagt: Das Ding war proppevoll.
In “Das Böse in meinem Keller” geht es darum, dass alles Übel der Menschheit auf nur eine einzige Person zurückzuführen ist, Wilfried ist quasi der Antichrist, der von Anfang an die Fäden in der Hand hat, straight ahead auf die Apokalypse zusteuert (und momentan in meinem Keller wohnt).
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Bewerte mich dreckig!
Ständiges Slammen verdirbt einen. Zumindest hinsichtlich der Beurteilungskraft des eigenen Schaffens. Man ist es ja gewohnt, einen Text vorzulesen und dafür Punkte zu bekommen, oder Applaus, oder Wäscheklammern, und schließlich Alkohol oder Bücher. Man bekommt Feedback und gewöhnt sich dran.
Da fragt man sich dann schon bei Verrichtungen des täglichen Lebens, warum nicht öfter mal eine Jury anwesend sein kann, die Wertungtafeln hochhält. “Für das geputzte Waschbecken kriegst du 4 von 5 Punkten.” oder “Klasse, dass du dir wieder einen Salat gemacht hast statt Döner zu holen. 5 Punkte!” oder “Zum wiederholten Male einen Punkt für dein Einfühlungsvermögen.”
Wenn man dann noch so was Ähnliches macht wie einen Slamtext zu schreiben, wiegt das Bedürfnis nach Beurteilung noch sehr viel mehr. Im konkreten Fall habe ich das erste Kapitel meines Romans “Post ist da” online gestellt. Doof nur, dass von den angeblich 500 Mitgliedern auf der Seite sich aktuell erst DREI die Mühe gemacht haben, mich zu bewerten. Und das nicht mal sonderlich überschwänglich.
Wenn also “irgendjemand” grade 10 Minuten Zeit hat, ich würde mich freuen. Hier geht’s lang.
Nachtrag April 2008: Nachdem mein Wettbewerbsbeitrag in der ersten Runde rausgeflogen ist, existiert nun auch die Seite nicht mehr. Ob es da einen Zusammenhang gibt?