The Christian Ritter Blog


Merkwürdige Dialoge (14)
12. September 2009, 12:51
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Zugfahrt nach Erlangen. Zwei Fränkinnen sitzen mir schräg gegenüber und unterhalten sich. Dies geschieht folgendermaßen: Es gibt ein Oberthema, zu dem beide jeweils aus der Ich-Perspektive heitere Anekdoten erzählen, ohne dass der Gegenpart darauf eingeht. Das Thema: Haare. Ein Beispiel:

Sie 1: Im Sommer du ich mir manchmal a Spange nei, dann störe si net.
Sie 2: Ich würd si ja mal wieder färbe lasse. A paar flodde Strähne, weisch?

Nach einer Viertelstunde denke ich mir, so langsam sei das Thema auserzählt. Die Haarpracht der beiden verdient eigentlich keinen weiteren Kommentar als „könnte man mal wieder waschen“. Plötzlich springt das Gespräch jedoch auf eine ganz andere Ebene.

Sie 1: Ich hab si ja lang g’habt, aber der Wolfgang wollt mich dann nur mit kurze nehme.
Sie 2 zwirbelt ihre Haare.
Sie 1: Dann hab i si ab’gschnidde und er hat mich gekricht.

Wie hat man sich das vorzustellen? Ich jedenfalls so: Bevor sie eine Beziehung eingeht (mit Wolfgang) steht sie vor ihm, dreht und bückt sich und der Wolfgang sitzt da und sagt „Ja, die könnte ich schon nehmen. Mit dem Preis müssen wir natürlich noch was machen, die Gebrauchsspuren sind ja nicht zu übersehen. Achja, und die Haare müssen ab, dann nehm ich sie.“ Schnipp schnapp, dem ewigen Glück steht nichts mehr im Weg.



Merkwürdige Dialoge (13)
1. September 2009, 7:35
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Ich kenne Menschen, die regelmäßig die Auseinandersetzung mit Türstehern suchen und finden. Weshalb, ist mir meistens schleierhaft. Das Resultat ist dann ein Hausverbot, ein gebrochener Finger oder nur ein blaues Auge. Ich wüsste gar nicht, weshalb ich mich mit diesem Berufsstand anlegen sollte. Tun die mir nix, tu ich ihnen nix. Anscheinend habe ich ihnen aber etwas getan und war mir dessen gar nicht bewusst.

In einem Bamberger Tanzlokal, das sich gerade noch in der Phase befindet, Wert auf die Erlesenheit seiner Gäste zu legen, also erst in etwa drei Monaten mit den vierstündigen Happy Hours und Coyote Saufpartys anfangen wird. Dorthin zu gehen war ein Gruppenzwang, der sich aus der Abendeigendynamik entwickelte, ich habe nichts damit zu tun. An der Bar treffen wir bedeutende Persönlichkeiten aus der regionalen Politik, die kurzzeitig vergessen haben, dass dahoam die Fraa sitzt und sich an alles, was Brüste hat, ranschmeißen. Darunter auch eine Dame mit Hut. Hier treffen die Handlungsstränge zusammen. Wir stehen als Grüppchen einige Meter von der Bar entfernt, ich trage meine Mütze. Klingt wie eine unbedeutende Randbemerkung. Einer der Türsteher („Security Agency“ steht auf seinem Hemd) bahnt sich uns entgegen und eröffnet das Gespräch – mit mir:

Er: Tu die Mütze runter!
Ich: Bitte?
Er: Mütze runter!
Ich: Warum?
Er:
Ich: Warum?
Er: Runter!
Ich: Warum?
Er: Das ist unsere Club-Philosophie.
Ich denke, er verarscht mich.
Ich: Was? Wie? Die Gesellschaft der Unbehüteten oder was?
Er: *grummel* … Wir lassen hier keinen mit Kopfbedeckung rein.
Ich: Die da drüben (die mittlerweile die Hand eines Volksvertreters am Gesäß trägt) hat auch einen Hut auf.
Er: Und?
Ich: Ja weil das ne Frau ist, ist das bei ihr ein Accesoir oder was?
Er: Genau.
Ich:
Er:
Ich: Das finde ich diskriminierend.
Er: Ich sag’s noch einmal im Freundlichen …
Ich: Jetzt mal ernsthaft: Ich hab mich nicht gekämmt. Deshalb hab ich die Mütze doch auf.
Er: *schnaub*
Ich nehme die Mütze ab: Schau!
Er: Ja, das sieht echt scheiße aus.
Ich setze sie wieder auf: Na also …
Er: Runter damit hab ich gesagt!

Damit er zufrieden ist, folge ich endlich seiner Anweisung. Er freut sich und geht. Ich setze die Mütz wieder auf und keiner sagt im weiteren Abendverlauf einen Ton. Trotzdem habe ich das geile Gefühl, was total Verbotenes zu tun.

Wenn ich mal einen Club aufmache, kommen da nur Leute rein, die keine dickeren Oberarme als ich haben.



Merkwürdige Dialoge (12)
21. August 2009, 1:05
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Ich düse im Sauseschritt mit meinem abgefahrenen Bike den Fahrradweg parallel zum Gehsteig entlang. Der Weg wird von mitteljungen gepflegten Damen (= Wechseljahr-belastet) blockiert, die sich rege austauschen – ohne Fahrrad („Und dann hat Sie drauf g’sagt …“).
Um mir Aufmerksamkeit und Platz zu verschaffen, greife ich zum naheliegenden Mittel: klingelingeling.
Sie behäben sich zur Seite und denken, ich könnte sie nach meinem rasanten Vorbeirauschen nicht mehr hören …

Dame 1: Kann der nicht ausweichen?
Dame 2: Scheiß Fahrradfahrer!

Wären die Rollen anders verteilt gewesen, hieße es wieder: „Die Jugend hält sich nicht an die Regeln und ist unverschämt. Keinen Respekt mehr! Total verkommen das Dreckspack.“

Ich würde sowas niemals sagen.



Merkwürdige Dialoge (11)
2. August 2009, 4:16
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Zugfahrten sind ein fruchtbarer Acker für diese Kategorie. Auf der Regio-Fahrt von Münnerstadt nach Bamberg: Ein Herr weit jenseits der Rentengrenze (im Folgenden Opi 1 genannt) hat sich auf die alten Tage einen Laptop gegönnt und schaut laut abteilfüllender Geräusche einen französischen Kriegsfilm. Ein Ehepaar schräg gegenüber entrüstet sich (männlicher Part: Opi 2, weiblich: Omma):

Opi 2: Du, mach dir mal Kopfhörer rein!

Opi 1 zeigt keine Reaktion.

Opi 2: DU!! KOPFHÖRER!

Warum duzen alte Leute eigentlich vorbehaltlos jeden anderen? Opi 1 merkt auf.

Opi 1: Was?

Omma: Da fragt er noch.

Opi 2: Wir wollen das nicht mithören. Mach dir Kopfhörer rein!

Opi 1 sucht den Lautstärkeregler am Gehäuse. Ich denke „unten rechts klicken, unten rechts klicken“, halte mich aber zurück, um den natürlichen Lauf der Dinge nicht aus Versehen vorzeitig zu stoppen.

Opi 1 (noch immer suchend): Ich schaue das nicht wegen dem Klamauk.

Ok, doch kein Kriegsfilm.

Opi 2: Das ist mir egal, was du schaust. Hauptsache ich krieg es nicht mit.

Omma (entrüstet): Im Zug!

Opi 1 hat den Ton irgendwie ausbekommen.

Opi 1: Nicht wegen dem Klamauk. Ich will die Sprache lernen. Französisch. Meine Tochter …

Opi 2: Muddi, ham wir noch ein Butterbrot?

Omma: Ich hab doch gesagt, du kriegst Hunger. Siehste?

Opi 1 merkt, dass er ignoriert wird und macht sich daran, sein Gepäck zu durchstöbern. Ich schließe die Augen und höre Musik (mit Kopfhörern!). Drei Lieder später: Ich schaue mal nach, was sich tut. Opi 1 steht neben mir im Gang, hat mittlerweile alle seine Hemden ausgepackt und sie auf einem freien Platz gestapelt. Er sieht in einigen Plastiktüten nach dem Rechten und seinen Kopfhörern. Für etwa 10 Minuten. Schließlich findet er sie. Derartige Kopfhörer tragen nur Hip-Hop-DJs und Leute, die sie noch aus den 70ern übrig haben. Die Hemden werden wieder eingepackt, weitere 5 Minuten lang. Endlich setzt er sich wieder hin. Nach bemühtem Suchen findet Opi 1 die Einstöpselbuchse und will seinen Film weiter schauen. Prompt ertönt die Durchsage: Wir erreichen jetzt Bamberg. Er stöpselt aus, packt den Laptop ein und steigt mit mir aus.



Merkwürdige Dialoge (10)
13. November 2008, 12:34
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Ich habe vor, mit dem ICE von Aschaffenburg nach Köln zu fahren, setze diesen Plan auch in die Tat um. Kurz vor Abfahrt kaufe ich mir das Reiseproviant zusammen, also Brötchen, Fanta und SZ. Auf dem Bahnsteig wird schon die Abfahrt ausgerufen, ich hüpfe in den Zug und durchquere ein Erste-Klasse-Abteil. An dessen Ende stoße ich auf eine Bahnbedienstete. Die Zeitung halte ich noch immer in der Hand. Sie wird auf mich aufmerksam.

Sie: Zeitung?
Ich: Bitte?
Sie: Zeitung?
Ich: Ja, das ist eine Zeitung.
Sie: Ist das Ihre?
Ich: Ähm, ja.

Sie schaut äußerst skeptisch. Ich habe keine Ahnung worauf sie hinaus will. Deshalb… (mehr…)