The Christian Ritter Blog


„Stell dich da hin, mach irgendwas.“
21. Oktober 2009, 10:26
Gespeichert unter: Everyday Weird, Medialala, Off-Slam, Textur

„Jetzt noch mal genau so, nur anders.“
„Ein bisserl weniger cool.“
„Zeig mir, dass du da raus willst.“
„Und einmal grimmig.“

Als Bonus zum Lesebeitrag im Rahmen der on3-Lesereihe gab es doch tatsächlich ein Fotoshooting. Olli (a.k.a. Peemaster Grand) und ich, die Kontrahenten gestern Abend in Würzburg, fragten uns schon vor der Türe gegenseitig, weshalb wir drei Stunden vor Beginn da sein sollten. Die Antworten: Posing und Leckereien. Die netten Damen und Herren des Bayerischen Rundfunks luden uns schick zum Essen ein (glaube ich zumindest, kann auch sein, dass ich die Zeche geprellt habe) und dann ging es fast pünktlich und ohne Längen überbrücken zu müssen vor ausverkauftem Haus los.

Unsere exklusiv angefertigten Texte waren beide grandios – glaubt man dem Publikum, das mich mit kanappen drei Stimmen Abstand zum Zweiten (man könnte auch sagen: Letzten, Verlierer, Abschaum, Loser, Donk, …) wählte. Da ich aber zum Termin des Lesereihen-Finales in München eh schon was vor habe, halb so schlimm – nö, gar nicht schlimm. Nie habe ich lieber verloren als gestern. Also echt jetzt. Ganz, ganz wirklich. Außerdem gab’s Pantoffeln als Dankeschön. Von den reißenden Gagenströmen im Hintergrund ganz zu schweigen. So bekommt man immerhin seine Gebühren zurück.

Das, worum es in der Hauptsache ging, meinen Text  nämlich („22 km“), kann man sich online jetzt reintun. Ollis Text („Michaels Ende – ein modernes Märchen“ – allein der Titel schon!!) empfehle ich genauso, durch Klick auf’s Bild landet man erst mal bei meinem. Viele Späße!

on3 Lesereihe Christian Ritter

(c) Edward Beyerle/on3 Radio


Parisien Parisienne
10. Juni 2009, 1:36
Gespeichert unter: Everyday Weird, Medialala, Photographie, Poetry Slam, Reisetagebuch

Ich war ja in Paris gewesen … tun. In etwa so müssen sich meine Konversationsstümmel wohl für die Franzosen angehört haben. Irgendwie konnte ich mich dennoch immer verständlich machen, habe sogar alle Anlaufpunkte gefunden und slammen durfte ich ja auf deutsch.

Turm22

DIE Pariser Touristenattraktion. Dahinter der Eiffelturm.

In zwei Tagen hatte ich drei Auftritte. Wegen dem ersten hatte mich arte bzw. Slam Tribu bzw. der Trierer Slam eingeladen (ja, is kompliziert), allerdings habe ich mich während der Show etwas unverstanden gefühlt. Woran’s wohl lag?
Tags darauf wollte ich mal den Eiffelturm sehen, wurde von einer Schulklasse aus NRW als Deutscher enttarnt („Tschuldigung, bist du deutsch?“ – „Ja.“ – „Das sieht man voll.“) und kaum zwei Minuten später hatte ich wieder die Slamtexte in der Hand. Spectacle gratuit. Danach gab’s nochmal das Gleiche für Thüringer.

Lesung22

"Maman, qu'est-ce que l'homme là fait?" - "Il a besoin d'argent."

Bilder auch von anderen Menschen, Bauwerken und Backstagebereichen (samt Text!!) nach Weiterklick.

(mehr…)



Definiere Humor!
29. April 2009, 5:09
Gespeichert unter: Everyday Weird, SOOTS, Textur | Schlagworte: ,

Ich habe einen Witz erfunden. Bisher fand ihn niemand komisch. So geht er:

Was ist das Hobby von einem Legastheniker?
.
.
.
Er geht gerne mal um den Block.

Ich gebe die Hoffnung nicht auf, dass er sich in intellektuellen Kreisen durchsetzen wird.



Meine Zeit wird kommen, im Jahr 2010 …
27. April 2009, 6:59
Gespeichert unter: Everyday Weird, My Mustard, Poetry Slam

Die Slamwelt ist eine widersprüchliche.
Sie ist zugleich kaum bekannt und prominent, dilletantisch und professionell, einfach und kompliziert.
Da treffen sich Hobbydichter, die sich gegenseitig ihre Gedichte über den Frühling vorlesen. Das ist Slam.
Aber auch: Da gibt es ein Rankingsystem, das mehr Faktoren berücksichtigt als die Fußballbundesligatabelle. Zum Beispiel einen Entfernungslogarithmus, den niemand versteht. Und Qualifizierungssysteme, die von Stadt zu Stadt abweichen können, weil am Ende doch jeder Ausrichter Autodidakt ist und eher Extremitäten niederen Ranges opfern würde, statt sich in seinen Slam reinreden zu lassen. Es ist dieser systemimmanente Widerspruch zwischen der Zulässigkeit eines jeden mutigen Ersttäters auf der einen und einem Survival-of-the-fittest-Prinzip auf der anderen Seite, nämlich den alljährlich ausgetragenen Meisterschaften, der permanent um die Veranstaltung Poetry Slam herum schwebt und eine exzellente Angriffsfläche für Kritiker bietet.

Ja, ich gebe offen und ehrlich zu, dass ich Freund des Systems bin und Jahr für Jahr einer Qualifizierung für die Meisterschaften hinterherhechele, immerhin gibt’s da große Parteille und man trifft nette Leute. Bislang bin ich für 2009 noch nicht qualifiziert. Aber auch in diesem Jahr wird sich ein Weg finden, noch liegen drei oder vier Highlander-Slams vor mir, genau weiß ich das gar nicht.

Eine recht kuriose Situation hat sich jedoch daraus ergeben, dass ich letzten Sonntag bei der Poesieschlacht in Düsseldorf  gewonnen habe. Die Stadtmeisterschaften nämlich (wie der Siegerslam dort heißt) fanden 3 Tage später im großen und ausverkauften Schauspielhaus statt. Das Teilnehmerfeld war schon proppenvoll, hab ich gar nicht mehr reingepasst. Was ist da die logische Konsequenz? Ich habe einen Platz bei der nächstjährigen Stadtmeisterschaft erhalten, kann mich dort dann für Essen 2010 qualifizieren.
Und das zu einem Zeitpunkt, zu dem noch die wenigsten Teilnehmer für 2009 feststehen, für die deutschsprachigen Meisterschaften – in Düsseldorf.
That’s pretty gaga, isn’t it? But I like it.



Der Zug ist wohl abgefahren
23. April 2009, 7:03
Gespeichert unter: Everyday Weird, Reisetagebuch | Schlagworte:

Was war das gestern für ein kurioser Tag. Passte zu meiner Mini NRW Tour irgendwie. Der krönende Abschluss trug sich so zu:

Würzburg, Bahngleis 8, ich habe gerade einen Hürdenlauf durch 5 ICE-Waggons hinter mir, da ich mich im Bistro verquatscht und den Fahrplan falsch gelesen hatte (das Eine führte zum Anderen).

Der frisch gewaschene RE Richtung Bamberg blitzblankt vor sich hin, die Anzeigetafel verkündet, es würde auf Anschlussreisende gewartet. Keine Anschlussreisenden in Sicht. Daher mein Plan: Ich stelle mein Gepäck schonmal rein, rauche auf Sprungdistanz zur Tür ein schnelles Zigarettchen und behalte den Aufgang im Auge, um zeitgleich mit den zu erwartenden Anschlussreisenden endgültig einzusteigen.

Das Bahngleis bleibt unfrequentiert, im Zug selbst kann ich kaum mehr als 3 Menschlein erkennen, ein laues Lüftlein weht mir das Frühlingsjäckchen näckisch um die Hüfte und ich verliere mich etwas in Gedanken. Wenn ich ernsthaft nachdenke, beginne ich automatisch in einem kleinen Kreis zu tapern. Jedesmal, wenn der Zug wieder in mein Blickfeld gerät, erschrecke ich kurz, weil ich mir einbilde, er bewege sich. Quatsch, kann er ja nicht, solange die Nachzügler (Nach-Zügler!) noch nachzügeln. Wird ja wohl eine Durchsage kommen, wenn er wahrhaftig mal losfahren sollte. Wir sind schon über 10 Minuten über der Zeit. Da fährt er los. (mehr…)