The Christian Ritter Blog


Klappe die zweite
10. Oktober 2009, 11:16
Gespeichert unter: Buch, Poetry Slam

Was noch zu erwähnen wäre: mein Buch ist wieder erhältlich. Schon seit ein paar Tagen. Zur Feier der zweiten Auflage wurde das Cover re-designt, kommt jetzt etwas selbstbewusster und weniger fragil daher – so zumindest meine Interpretation.

christian ritter halbneu

Damit einher geht eine enorme Steigerung des Sammlerwerts von Auflage eins. Eine sichere Bank im Schrank zu Zeiten weltweiten Wirtschaftsschwunds. Den Satz sagen wir jetzt alle zwanzig Mal auf.



halb neu ganz weg
3. August 2009, 9:12
Gespeichert unter: Buch

Diese Überschrift würde sich von der Konstruktion her auch ganz gut in der BILD („Ich sag ja immer BLÖD, höhö, *grunz*“) machen. Da habe ich ja in der Vergangenheit selbst unrühmliche Erfahrungen mit gemacht. (Bildquelle: Heiner Lange)

Hier soll es sich aber um ein weitaus bedeutenderes Schriftwerk drehen: mein Buch. Das ist jetzt nämlich ausverkauft. Am Wochenende gingen die letzten paar Exemplare des Verlags zu Amazon (Randnotiz: ein scheinbar geerbtes Exemplar ist dort auch billiger zu haben / Ruhe in Frieden!) und meine letzten paar bis auf zwei in Nürnberg und Münnerstadt über den Büchertisch. Derzeit diskutieren Verlag und Autor über eine zweite Auflage. Ich bin zuversichtlich. Mein neues Buch „Die Vorstellung der Möglichkeit einer Annahme“ erscheint ja erst nächstes Jahr. Und ohne ein eigenes Buch fühlt man sich irgendwie so nackt, wenn man herumreist. Igitt, wer macht denn so was?

Da hier in letzter Zeit kein Mensch kommentiert, was mich furchtbar traurig macht (schnüff), gebe ich dem Leser nochmal eine Chance: Wer mir die beste Begründung hier untendrunter schreibt, warum gerade er oder sie eines der beiden Restexemplare verdient hat, bekommt es von mir kostenlos zugesandt. Die Begründung „weil ich als Netizen es gewohnt bin, kostenlosen Content zu konsumieren“ gebe ich mal als denkbar unkreativste vor. Auf geht’s!

(Der Wettbewerb läuft, bis ich zufrieden bin und die Kommentaranzahl zweistellig ist, das bedingt sich. Der Rechtsweg ist … oh, ich bin nicht von hier. Fragen Sie mal nen Taxifahrer.)



Das muss man sich mal vorstellen!
22. Juni 2009, 10:12
Gespeichert unter: Buch

Ich hatte da eben so ne Idee:Christian Ritter: Die Vorstellung der Möglichkeit einer Annahme



Der Tag als Bill den Stecker zog
2. Juni 2009, 12:56
Gespeichert unter: Buch, Textur

Einen kompletten Text habe ich bislang noch nie hier veröffentlicht. Da ich zu diesem speziellen (zuvor exklusiv im Buch erhältlichen) Text aber reichlich Topfeedback bekommen habe und er sich zudem um das Internet dreht, gibt es ihn für Freunde der szenischen Kurzgeschichte, die etwa 15 Minuten Zeit haben, jetzt hier für lau.

Der Tag als Bill den Stecker zog

Es wird geschehen. Irgendwann, in ein paar Jahrzehnten, werden die Leutchen rund um den Globus in kleinen Grüppchen zusammensitzen und es wird immer der Älteste sein, der, der tatsächlich dabei war, der die folgende Geschichte erzählt:

Es war kein guter Tag für Bill. Am Morgen las er die erste Statistik, die die Dominanz des Betriebssystems Linux gegenüber Windows bestätigte. Das hatte er nicht vorausgesehen, obwohl er doch sonst nebenberuflich Visionär ist. 2005 prophezeite er den Untergang der Printmedien und behielt, wie wir wissen, recht. Knapp zehn Jahre später wurde die letzte Zeitung verlegt. Es gab nur noch Internet, so, wie er es wollte, so wie es ihm recht war, das Internet schlägt alles, so hatte er es schon immer daher gebetet. Er, Dr. h.c. William Henry Gates der Dritte, Knight Commander des Britischen Empires, von der Welt liebevoll Bill genannt.

Wie gesagt, da war also diese Linuxsache, die ihn ziemlich aus der Bahn warf. Sowieso, seit der Zerschlagung des Konzerns wegen illegaler Monopolisierung lief es ja nicht mehr ganz so rosig, aber er hatte sich immer gedacht: so lange noch mehr als die halbe Welt jeden Tag mein Windows auf dem Schirm hat, solange bin ich zufrieden. Das hatte sich ja nun geändert.

Wie Bill es in diesen Situationen, in denen er nicht weiter weiß, immer machte, ging er an den Lake Washington, direkt vor seiner Haustür, und sah auf das sich kräuselnde Wasser, das mit der Mittagssonne spielte – was Microsoft Virtual Earth 3D Life Live so realistisch auf seinem 120-Zoll-Plasmabildschirm darstellte, als wäre er tatsächlich die paar Hundert Meter zum See gelaufen. Er saß also in seinem Vibrationssessel und blickte auf die kleinen Wellen, die der Wind machte, und dachte nach – und rief er sich einen Satz in Erinnerung, den er einmal gesagt hatte:

„Das Internet ist wie eine Welle: Entweder man lernt, darin zu schwimmen, oder man geht unter.“

Und er dachte weiter, drehte die Worte, sah auf den See, und plötzlich – er hatte es gar nicht mitbekommen – musste der Wind nachgelassen und das Gewässer sich beruhigt haben. Der Lake Washington war glatt, eine Fläche, wie ein Turnhallenboden, ein deutscher Turnhallenboden. Und Bill dachte weiter, nahm seine Brille ab und kratzte sich am Haaransatz, weiter hinten als früher. Keine Wellen mehr, dachte er, keine Wellen – und da war ihm klar, was er zu tun hatte. Er sagte seinem Haus, dass es ihm den Aufzug schicken sollte, das Haus machte pling und der Aufzug kam. Er fuhr hinunter, einen Stock tiefer noch als er für gewöhnlich fuhr. Er war erst zum zweiten Mal hier unten, ganz unten, er hatte nicht vorgehabt, es einmal so weit kommen zu lassen. Aber die Menschen waren doch selbst schuld, vor allem Linus Torvalds, der böse Linux-Boss, das Böse schlechthin.

Bill drückte seine Hand auf einen Touchscreen, der Windows-Start-Jingle erklang und die schwere Eisentür schob sich beiseite. Er betrat den Raum, der eigentlich nichts Spektakuläres an sich hatte, Raufaser, weiß gestrichen, angegilbt. Doch es ist ja meistens so, dass die wirklich großen Sachen keinen großen Auftritt brauchen.

Es lagen zwei dicke Kabel auf dem Boden, in der Mitte des Raums war das eine in das andere gesteckt. Ein gelber Post-It-Zettel war an dem eingesteckten Kabel befestigt, „Internet“ stand darauf. Davor ein loses Blatt Papier, auf das er sich selbst, beim ersten Mal, mit Rotstift geschrieben hatte: Think twice!

„Keine Wellen mehr“ dachte Bill, „lassen wir sie untergehen“, und zog den Stecker.

Es war 7.25 Uhr in Medina, Washington.

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24
10. August 2008, 9:39
Gespeichert unter: Buch, Poetry Slam

„Warum ist hier in letzter Zeit eigentlich so wenig los?“, fragt Gisbert H. aus N. per Telegramm.

Keine Sorge, das wird auch noch eine Weile so bleiben. Schließlich ist grade Sommerpause, sowohl was den Slam- als auch den Unibetrieb betrifft, ich lerne fleißig für eine der Diplomprüfungen und schreibe noch fleißiger an meiner Diplomarbeit herum (Thema: Interessenkonflikt im dualen Rundfunksystem angesichts des Entwurfs zum 12. Rundfunkänderungsstaatsvertrag / Conflict of interests in the German dual broadcasting system facing the draft for the 12th modulation of the Interstate Treaty on Broadcasting).

Heute allerdings gabs mal wieder einen Auftritt und – was soll ich sagen? – ich müsste lange nachdenken, um einen passenden Vergleich zu finden, und dazu habe ich grade keine Lust. Auf die Schnelle vielleicht: Es ist, wie wenn man hunderte Kilometer im indischen Ozean schwimmt und schließlich eine rettende Insel mit einem Schnitzel mit Pommes und einem Fass Bier drauf findet. (mehr…)